HWK für Ostthüringen

Uni Jena als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ geehrtWenn Universität auf Handwerk trifft

Zwischen Hörsälen, Forschungseinrichtungen und Laboren summen Bohrmaschinen, werden Schaltschränke installiert und Möbel gefertigt. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, ist an der Friedrich-Schiller-Universität Jena seit vielen Jahren gelebter Alltag. Denn neben Studium und Wissenschaft setzt die Universität auch auf die Ausbildung handwerklicher Fachkräfte. Für dieses Engagement wurde sie nun von der Handwerkskammer für Ostthüringen als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb des Handwerks“ ausgezeichnet.

Die Ehrung überreichte Katja König, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer für Ostthüringen, gemeinsam mit Tobias Geissler, Obermeister der Elektroinnung Ostthüringen. Die Auszeichnung und Ehrenurkunde nahmen Moritz Badel, Personaldezernent der Universität, Elfi Dorna, Abteilungsleiterin Personalentwicklung, Ausbildungskoordinator Nick Wartenberg sowie die Tischlerausbilder Jacob Linde und Dominik Obst entgegen.

„Es ist schon etwas sehr besonders, solch eine Auszeichnung an eine Universität zu übergeben – wenn es nicht sogar die erste ist, welche in dieser Form an eine Universität übergeben wird“, sagte Katja König. Gleichzeitig zeige die Ehrung, „dass Ausbildung und Studium nicht immer im Gegensatz zueinanderstehen“.

Handwerk gehört zur Universität

Die Wurzeln der handwerklichen Ausbildung reichen an der Friedrich-Schiller-Universität weit zurück. Bereits 1970 wurde ein eigener Bauhof eingerichtet. Schnell habe man erkannt, welchen Wert eigene Fachkräfte für die Infrastruktur der Hochschule besitzen, berichtet Jacob Linde. „Man stellte schnell fest, dass das selbst Ausbilden von Handwerkern wichtig ist und einen guten Nutzen hat.“ Seit 1990 wurden an der Universität insgesamt 132 Auszubildende ausgebildet. Der Schwerpunkt liegt heute auf den Gewerken Elektrotechnik und Tischlerei. Aktuell lernen acht junge Menschen an der Universität einen Handwerksberuf. Die Qualität der Ausbildung spiegelt sich auch in den Zahlen wider. Mit lediglich zwei vorzeitigen Vertragslösungen seit 1990 liegt die Abbruchquote bei nur 2,3 Prozent. Hinzu kommen wiederholt sehr gute Ergebnisse bei Leistungswettbewerben des Handwerks.

Ausbildung mit hohen Ansprüchen

Die Universität erfüllt nicht nur alle gesetzlichen Anforderungen der Berufsausbildung, sondern unterstützt ihre Auszubildenden zusätzlich. Dazu gehören unter anderem Fahrtkostenzuschüsse für den Berufsschulbesuch sowie die Teilnahme an den überbetrieblichen Lehrunterweisungen des Handwerks. Besonders gefragt sind die Ausbildungsplätze in der Tischlerei. Im vergangenen Jahr gingen dort mehr als 60 Bewerbungen ein. „Das macht es natürlich nicht gerade einfach, wenn man nur zwei junge Menschen einstellen kann“, sagt Jacob Linde. Wer Tischler an der Universität werden möchte, muss sich deshalb einem zweistündigen praktischen Einstellungstest in der Werkstatt stellen. Dort zeigt sich schnell, wer handwerkliches Geschick und Interesse am Beruf mitbringt.

Fachkräfte aus den eigenen Reihen

Für die Universität ist die Ausbildung weit mehr als gesellschaftliches Engagement. Sie sichert zugleich den eigenen Fachkräftebedarf. „In unseren Hörsälen weht mit jungen Studenten ein frischer Wind. Gleichwohl benötigt unsere Universität aber auch eigenes Fachpersonal für die Infrastruktur. Mit der Ausbildung von Elektrotechnikern, Tischlern und Co. kommt auch frischer Wind in unser hauseigenes Handwerk und die Verwaltung“, erklärt Personaldezernent Moritz Badel. Auch die Ausbilder sehen darin einen wichtigen Erfolgsfaktor. „Mein Ausbilderkollege Dominik Obst und ich schätzen unser junges und dynamisches Kollegium sehr. Wir beide sind in große Fußstapfen unserer Vorgänger getreten. Sie haben viel Leidenschaft in die Ausbildung junger Menschen investiert und einen Weg geebnet, welchen auch wir beide weitergehen möchten“, betont Jacob Linde.

Leidenschaft für den Nachwuchs

Für Jacob Linde und Dominik Obst steht fest, dass gute Ausbildung nicht von allein entsteht. „Wir haben leistungsstarke Azubis, worauf wir sehr stolz sind“, sagen sie. Gleichzeitig profitiere auch die Universität davon. „Unsere Azubis sind meistens im zweiten Lehrjahr fast wie eine Fachkraft. Wir müssen sie kaum noch an die Hand nehmen. Um dahin zu kommen, bilden wir aber auch mit Leidenschaft aus und setzen auf eine gewisse Akribie in der Ausbildung.“

Mit der Auszeichnung als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb des Handwerks“ würdigt die Handwerkskammer damit eine Institution, die zeigt, dass wissenschaftliche Exzellenz und handwerkliche Ausbildung hervorragend zusammenpassen. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena beweist, dass qualifizierter Nachwuchs nicht nur in Hörsälen, sondern auch in Werkstätten entsteht.

 

Titelbild: Die Handwerkskammer für Ostthüringen ehrte die Universität als „Vorbildlichen Ausbildungsbetrieb des Handwerks“. Bei der Übergabe der Auszeichnung waren (v. l.) Ausbildungskoordinator Nick Wartenberg, die Tischlerausbilder Dominik Obst und Jacob Linde, Tobias Geißler, Obermeister der Elektroinnung Ostthüringen, Katja König, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer für Ostthüringen, Personaldezernent Moritz Badel sowie Elfi Dorna, Abteilungsleiterin Personalentwicklung der Universität, anwesend.