Vollversammlung 2021
HWK für Ostthüringen

Vollversammlung: Coronakrise bestimmt weiterhin die Szenerie

Auch Preisexplosion sowie die Nachwuchssicherung im Fokus

(24.11.2021) Unter coronabedingt strengen Hygieneauflagen trafen sich die Mitglieder der Vollversammlung der Handwerkskammer für Ostthüringen zu ihrer jüngsten Sitzung in der Bildungsstätte in Gera. Dabei spielten natürlich auch die Auswirkungen der Coronakrise und die damit verbundenen Herausforderungen eine entscheidende Rolle.

Landesregierung ohne praktikable Lösungen

Kammerpräsident Wolfgang Jacob machte in seinem Bericht dies auch deutlich, dass die derzeit verschärften Corona-Maßnahmen massive Auswirkungen auf das Handwerk haben. Zuerst traf es vor allem die Friseure und Kosmetiker, die in den vergangenen anderthalb Jahren über Gebühr mit Betriebsschließungen und Einschränkungen belastet waren. „Auch sie sind wieder die Leidtragenden eines völligen Versagens der Politik bei der Pandemiebekämpfung“, so der Kammerpräsident. Die dort angeordneten PCR-Tests für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren schlichtweg nicht umsetzbar und haben gezeigt, „wie wenig die Entscheider auf Landesebene praktikable Lösungen anzubieten im Stande sind“. Hier hat die Handwerkskammer, gemeinsam mit der Landesinnung, zumindest erreicht, dass diese Regelung wieder gekippt wurde.

Testpflicht in Betrieben sorgt für Spaltung

Ebenso schwer wiegen jedoch die mittlerweile geltenden 3-Regelungen zur Testpflicht am Arbeitsplatz für alle Handwerksbranchen. An der Hotline der Handwerkskammer klagen Handwerksunternehmer massiv darüber, dass auch hier die Politik klar an der Realität vorbei agiert. Rein rechtlich dürfen ungeimpfte und gleichzeitig nicht getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht arbeiten. Viele Betriebe berichten jedoch darüber, dass sie aber auf ihre Mitarbeiter angewiesen sind. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels droht so unter anderem eine Kündigung durch die Mitarbeiter. Und dass, obwohl sie so dringend gebraucht werden“, warnt Wolfgang Jacob vor den noch nicht absehbaren Folgen im gesamten Handwerk. Auch hier fordert er deshalb massiv, endlich praxistaugliche Lösungen anzubieten, da ansonsten viele Unternehmen schon jetzt von Betriebsschließungen reden.

Handwerkskammer als Partner in Krisenzeiten

Die Handwerkskammer ist seit Beginn der Pandemie mit einem umfassenden Beratungsangebot für die Mitgliedsbetriebe kompetente Ansprechpartnerin - sei es über die Corona-Hotline oder über ihre Corona-Sonderseite im Internet. „Viele Anruferinnen und Anrufer sind dankbar für dieses Angebot, dass sie bei der Handwerkskammer Gehör finden, während in den Gesundheitsämtern oder anderen verantwortlichen Stellen keinerlei Auskunft erhältlich ist“, so der Kammerpräsident, der versichert, dass diese Angebote auch weiterhin in vollem Umfang aufrechterhalten werden.

Rohstoff- und Kraftstoffpreise zusätzliche Belastung

Doch nicht nur die extrem unsichere Coronalage, sondern auch die Preisexplosionen bei Rohstoffen und Energie machen den Mitgliedsbetrieben zu schaffen. Auch hier hat die Handwerkskammer umfangreich in Statements Stellung bezogen. Dazu gehören auch die klaren Forderungen, wie beispielsweise ein Ende der Spekulationen an der Energiebörse in Leipzig, eine Absenkung der Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) bei Kraftstoffpreisen sowie die Abschaffung der Doppelbesteuerung. „Schließlich ist es derzeit so, dass der Staat über die Mehrwertsteuer bei steigenden Energie- und Kraftstoffpreisen kräftig mitverdient“, macht er seinem Unmut Luft.

Fachkräftenachwuchs dringend gesucht

Bei all den wirtschaftlichen Unwägbarkeiten in den Betrieben, lässt die Handwerkskammer aber auch einen ganz wichtigen Aspekt nicht außer Acht: die Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Die Corona-Pandemie legt bei der Gewinnung von interessierten Jugendlichen für das Handwerk enorme Steine in den Weg. Betriebe hatten kaum Möglichkeiten, Betriebspraktika für potenzielle Interessenten anzubieten. Auch die Handwerkskammer war davon durch den Wegfall von Infoveranstaltungen und Bildungsmessen betroffen.

Dennoch hat die Handwerkskammer Möglichkeiten gefunden, die Jugendlichen über die Vielfalt der handwerklichen Ausbildung und die Karrierechancen zu informieren. So wurde im Sommer erstmalig in den Bildungsstätten in Gera und Zeulenroda das Projekt „SUMMER FOR FUTURE“ durchgeführt. Hier hatten Jugendliche in den Sommerferien die Möglichkeit, sich in Workshops ganz gezielt im Handwerk auszuprobieren. Dieses Projekt wird im kommenden Jahr eine Fortsetzung erfahren.

Ebenso konnte bereits zum 5. Mal im September das Ausbildungsevent der Handwerkskammer in Gera angeboten werden Knapp 800 interessierte Besucher nutzten die Gelegenheit, vor Ort in 25 verschiedenen Handwerksberufen einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und entdecken, welche Vielfalt und Kreativität in den handwerklichen Berufen steckt. Auch hier wird es am 17. September des kommenden Jahres eine Neuauflage geben.

Nicht zu vergessen sind die Maßnahmen der Berufsorientierung in den Bildungsstätten, an denen im aktuellen Schuljahr immerhin 57 Ostthüringer Regelschulen und Gymnasien mit knapp 4.500 Schülerinnen und Schülern teilnehmen.

Mit Sportmarketing und Bewegtbildern neue Wege gehen

Um noch mehr Jugendliche zu erreichen, wird die Handwerkskammer im kommenden Jahr ihre Aktivitäten zur Nachwuchswerbung auf die Bereiche ausdehnen, wo Jugendliche unterwegs sind, wie zum Beispiel Sportvereine. „Hier wollen wir das Sportmarketing deutlich verstärken, um die Verbindung von Sport und Handwerk mehr in den Fokus zu rücken“, erklärt der Kammerpräsident. Außerdem wird ein Transporter als Tourbus des Handwerks unterwegs sein, um beispielsweise an Schulen oder direkt in Innenstädten gezielt auf das Handwerk und seine tollen Karrierechancen aufmerksam zu machen.

Nicht zuletzt sind Jugendliche mehr denn je auf Social Media aktiv. Gerade Bewegtbilder auf Youtube sprechen Schülerinnen und Schüler an. Deshalb wird der Youtube-Kanal der Handwerkskammer deutlich ausgebaut. Angedacht sind hier Videoclips, die die Einzigartigkeit des Handwerks in den Mittelpunkt stellen. “Hierfür brauchen wir dann auch motivierte Handwerkerinnen und Handwerker, in deren Betrieben die Clips gedreht werden und so für alle Handwerksunternehmen ein Mehrwert bei der Azubigewinnung entsteht“, ruft Wolfgang Jacob zum Mitmachen auf.

Bei all diesen Maßnahmen muss aber auch die Politik ihren Teil beitragen Das Azubi-Ticket ist hier ein sehr guter Ansatz, der in den vergangenen Jahren bereits Früchte getragen hat. Bedauerlich ist jedoch, dass sich der Landkreis Greiz weiter beharrlich einer Teilnahme am Azubi-Ticket verweigert. „Das schadet ganz klar der Region und leistet einer weiteren Abwanderung von jungen Leuten aus dem Landkreis Vorschub“, äußert der Kammerpräsident sein klares Unverständnis.

Anreize für künftige Meister verstetigen

Neben der Gewinnung von Fachkräftenachwuchs ist die Forcierung der Fortbildung, insbesondere der Meisterausbildung in Ostthüringen, ein Kernthema der kommenden Monate. Die derzeit noch gültige Regelung eines Meisterbonus von 1.000 Euro für alle Meisterinnen und Meister, die in Thüringen erfolgreich ihre Meisterprüfung absolviert haben, sowie die Meistergründungsprämie von 5.000 Euro sind hier ein wertvoller Beitrag es Landes. Allerdings ist dieses Angebot momentan nur bis Jahresende gültig. „Hier gilt es, dass die Landesregierung auch im Jahr 2022 diese Regelungen beibehält und verstetigt“, fordert der Kammerpräsident. „Nur so ist es möglich, dass wieder mehr Interessierte den Weg in die Meisterausbildung und später in die Unternehmensgründung bzw. –nachfolge finden.“

Um all diese Maßnahme der Handwerkskammer in die Tat umsetzen und sich weiter ganz aktiv für die Interessen der Mitgliedsbetriebe einsetzen zu können, fasste die Vollversammlung eine ganze Reihe von Beschlüssen. Damit sind die Weichen für die Zukunft der Entwicklung im Ostthüringer Handwerk richtig gestellt.

 

Titelbild: Ein Großteil der Vollversammlungsmitglieder nach ihrer jüngsten Sitzung. Sie machten deutlich, dass das Handwerk trotz aller Krisen und Probleme weiter fest zusammensteht und ein Anker für die wirtschaftliche Zukunft nicht nur in Ostthüringen bleibt.