Erik Seidel überzeugt im Orthopädietechniker-HandwerkVizemeister hat Meisterbrief im Blick
Ein außergewöhnlicher Erfolg für das ostthüringische Handwerk: Erik Seidel aus Zeitz gehört zu den besten Orthopädietechnik-Mechanikern Deutschlands. Bei den Deutschen Meisterschaften des Handwerks erreichte der 19-Jährige den Vizemeistertitel und stellte damit eindrucksvoll sein fachliches Können, seine Präzision und seine Leidenschaft für den Beruf unter Beweis.
Würdigung durch die Handwerkskammer
Die besondere Leistung wurde nun auch offiziell gewürdigt. Katja König, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer für Ostthüringen, überreichte Erik Seidel die Auszeichnungsurkunde des Zentralverbandes des Handwerks (ZDH). Gleichzeitig erhielt auch sein Ausbilder Thomas Gabel von der Schuh Petters GmbH eine Urkunde, als Anerkennung für die engagierte und erfolgreiche Ausbildungsarbeit. „Solche Erfolge zeigen, wie leistungsfähig die berufliche Ausbildung im Handwerk ist und welches Potenzial in unserem Nachwuchs steckt“, betonte König bei der Übergabe.
Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft
Der Weg an die nationale Spitze begann für Erik bereits während seiner Ausbildung. Für die „German Craft Skills“, der Deutschen Meisterschaft im Handwerk hatte er sich mit seinem Abschluss als bester Absolvent Thüringens qualifiziert. Im November 2025 ging es für ihn dann nach Dortmund, wo sich die besten Nachwuchskräfte des Orthopädietechnik-Handwerks im bundesweiten Vergleich maßen.
Wettbewerb unter Zeitdruck
Der Wettbewerb verlangte den Teilnehmenden höchste Konzentration und handwerkliche Präzision ab. Innerhalb von 5,5 Stunden musste unter Wettbewerbsbedingungen eine Unterschenkelprothese gefertigt werden – in fremder Umgebung, mit unbekanntem Werkzeug und unter Zeitdruck. Der Wettbewerb erstreckte sich über zwei Tage. „Am ersten Tag lernten wir uns kennen und besprachen die bevorstehenden Aufgaben, am zweiten Tag stand dann der eigentliche Wettkampf an“, berichtet Seidel. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der kollegiale Umgang: „Es ging weniger ums Gewinnen, sondern um den fachlichen Austausch. Wir haben uns sogar während des Wettbewerbs gegenseitig geholfen. In unserem Beruf gibt es Arbeitsschritte, die zu zweit einfach besser funktionieren.“
Zusammenhalt statt Konkurrenz
Dass er sich am Ende über Platz zwei freuen durfte, war für den jungen Handwerker ein besonderer Moment. „Es brauchte etwas Zeit, um zu realisieren, dass ich der zweitbeste meines Handwerks in Deutschland bin. Die Konkurrenz war stark und alle haben herausragende Arbeiten abgeliefert“, sagt er rückblickend.
Platz zwei in Deutschland
Eriks Begeisterung für die Orthopädie-technik entwickelte sich nicht von Beginn an zielgerichtet, sondern über praktische Erfahrungen. Zunächst interessierte er sich für den Tischlerberuf, vermisste dort jedoch den medizinischen Bezug und die Arbeit mit Menschen. Über ein Praktikum in der Ergotherapie kam er erstmals mit der Orthopädietechnik in Berührung. Weitere Praktika, unter anderem in Eisenberg und bei Schuh Petters in Gera, festigten seine Entscheidung. „Es ist ein schönes Gefühl, Menschen mit meinem Handwerk Lebensqualität zu schenken“, beschreibt er seine Motivation.
Beruf mit Sinn und Vielfalt
Orthopädietechnik-Mechaniker begleiten ihre Kunden meist über einen langen Zeitraum. Beginnend von der Beratung über das Maßnehmen und die Konstruktion bis hin zur Fertigung und Anpassung individueller Prothesen oder Orthesen. Gearbeitet wird dabei mit Materialien wie Metall, Kunststoff, Holz, Gießharzen oder Textilien- sowohl klassisch von Hand als auch mit moderner Technik.
Anerkennung für die Ausbildung
Auch Ausbilder Thomas Gabel zeigt sich beeindruckt von der Entwicklung seines ehemaligen Schützlings. „Wir wussten, wie gut Erik hier im Betrieb arbeitet. Wie hoch das Niveau der anderen Teilnehmenden ist, sieht man aber erst beim Wettbewerb. Er hat sich sehr gut geschlagen“, so Gabel. Besonders unterstützte er Seidel während seiner Ausbildung bei der Spezialisierung auf den Bereich Prothetik, in dem ganze Körperteile ersetzt werden und höchste Genauigkeit gefragt ist.
Betrieb mit Ausbildungsstärke
Die Schuh Petters GmbH beschäftigt am Standort Gera derzeit rund 40 Mitarbeitende sowie fünf Auszubildende, mitteldeutschlandweit sind es etwa 80 Beschäftigte. Das Unternehmen besteht seit 1989 und legt großen Wert auf eine qualifizierte Ausbildung.
Blick in die Zukunft
Für Erik Seidel ist der Vizemeistertitel kein Endpunkt. Er plant, zeitnah den Meistertitel anzuschließen und hat sich bereits für die Begabtenförderung angemeldet. Darüber hinaus bringt er eigene Ideen und Innovationsgeist in den Betrieb ein. In seiner Freizeit arbeitet er mit einem 3D-Drucker und hat bereits eine Prothesenhalterung konstruiert, die Arbeitsabläufe künftig erleichtern könnte. „Im Handwerk geht es heute darum, bewährte Techniken mit neuen Technologien zu verbinden“, betont Thomas Gabel. Ein Ansatz, den sein ehemaliger Auszubildender bereits lebt.
Mit seinem Erfolg steht Erik Seidel beispielhaft für die hohe Qualität der handwerklichen Ausbildung in Ostthüringen und zeigt, welche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten das Handwerk jungen Menschen bietet.
Titelbild: Orthopädietechnik-Mechaniker Erik Seidel von der Schuh Petters GmbH aus Gera hat in seinem Handwerk die berufliche Erfüllung gefunden. Nach seinem Vizemeistertitel möchte er sich nun zum Meister weiterbilden. Foto: Lea Bartzok-Porsch