Stein auf Stein durch die Jahrzehnte

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HWK für Ostthüringen

Zwei Familienbetriebe feiern 100 und 125 Jahre SteinmetzhandwerkStein auf Stein durch die Jahrzehnte

Ob Grabmal, Denkmal oder Natursteinarbeiten am Neubau: Das Steinmetzhandwerk prägt Städte und Gemeinden seit Generationen. Mit Steinmetz Martin aus Rudolstadt und Steinmetzmeister Matthias Hoff aus Pößneck feiern in diesem Jahr gleich zwei ostthüringische Traditionsbetriebe besondere Jubiläen. Während die Firma Martin auf 100 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblickt, begeht der Betrieb von Matthias Hoff sein 125-jähriges Bestehen.

Ein Jahrhundert Familienhandwerk

Die Geschichte der Firma Steinmetz Martin begann 1926, als Urgroßvater Oskar Martin den Betrieb in der Weimarischen Straße in Rudolstadt gründete. Bis heute befindet sich das Unternehmen am selben Standort. Nach dem Firmengründer führte dessen Sohn, welcher ebenfalls Oskar Martin hieß, den Betrieb weiter. Die dritte Generation prägte Bernd Rainer Martin, der das Unternehmen zum 1. Januar 1980 übernahm und das Firmengelände 1986 erweiterte. Seit 2017 liegt die Verantwortung in den Händen von René Martin, der den Familienbetrieb in vierter Generation führt. Bernd Martin unterstützt seinen Sohn weiterhin mit seiner Erfahrung. Heute arbeiten sie zu dritt im Unternehmen, das neben dem Stammsitz in Rudolstadt auch eine Zweigstelle in Bad Blankenburg betreibt.

Das Geschäftsfeld hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Neben der Grabmalgestaltung gehören inzwischen vor allem Arbeiten im Neubau, beispielsweise Fensterbänke, zum Leistungsspektrum. Auch die Bestattungskultur habe sich deutlich gewandelt, beobachtet Bernd Martin. „Menschen setzen eher auf Friedwälder und Ruhebäume als auf klassische Grabstätten mit Grabstein.“

Dabei blickt er auf bewegte Zeiten zurück. „Pauschalbesteuerung war nicht ganz schlecht. Da blieb einiges hängen. Ein Problem war aber wie für alle die Materialknappheit.“ Häufig wurden Grabsteine mit einem polnischen Transporter aus der Lausitz geholt. „Wenn man gute Kontakte hatte, ging ab und an schon mal die Hintertür auf und dann gab es etwas extra.“ Manchmal halfen auch ungewöhnliche Lösungen: „Zum Glück gab es gute Tauschgeschäfte. So konnten wir beispielsweise Fensterbänke gegen einen Satz Reifen tauschen.“

Bis heute prägt die Region die Arbeit des Unternehmens. Zu den besonderen Referenzen zählt die Restaurierung der Löwenbank im Rudolstädter Hain. Verändert haben sich zudem die Materialtrends. Nach der Wiedervereinigung waren Jura-Marmor und Carrara-Marmor aus Italien stark gefragt. „Man merkt aber, dass die Gesteine nicht so belastbar waren“, sagt René Martin. Seit der Jahrtausendwende habe sich der Trend wieder deutlich in Richtung witterungsbeständiger Granite entwickelt.

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Die Steinmetzmeister Bernd (li.) und René Martin arbeiten in ihrem Familienbetrieb Hand in Hand. Sie dürfen feierlich auf ihr 100-jähriges Bestehen blicken. Foto: Lea Bartzok-Porsch

Steinmetztradition seit 1901

Noch weiter reicht die Geschichte des Steinmetzbetriebes Hoff zurück. Als Gründungsdatum gilt der 13. Juni 1901. An diesem Tag machte Emil Conrad die Eröffnung seines Unternehmens per Zeitungsanzeige öffentlich. Später heiratete Fritz Hoff, der aus Schlesien stammte, die Tochter des Firmengründers, stieg in den Betrieb ein und übernahm ihn schließlich in zweiter Generation. „So kam der Namenswechsel von Conrad zu Hoff zustande“, erklärt der heutige Firmenchef Matthias Hoff, der mit seinem Bruder Bernd Rudolph 1994 in die Fußstapfen des Vaters Hans-Georg traten. Seit dem altersbedingten Rückzug Bernd Rudolphs im Jahr 2022 führt Matthias Hoff den Betrieb als Einzelunternehmen weiter.

Auf sein Jubiläum blickt der Pößnecker mit Stolz. „Das Gejammer vieler Menschen heutzutage kann ich nicht nachvollziehen. Emil musste den Ersten Weltkrieg erleben, Fritz den Zweiten Weltkrieg und mein Vater die DDR. Die Probleme sind im Kern doch immer dieselben geblieben, die Auslöser dafür waren nur immer verschieden.“

Stein im Wandel der Zeit

Auch Matthias Hoff beobachtet den Wandel der Bestattungskultur. „Das Thema Friedhof ist in meinen Augen durch. Die Bestattungskultur hat sich verändert, daher muss man umdenken.“ Deshalb setzt der Betrieb auf ein breites Leistungsspektrum. Neben Grabmalen gehören Denkmalpflege, Arbeiten an historischer Bausubstanz sowie Projekte im Neubau zum Unternehmensalltag. Früher war der Betrieb häufig auf Montage unterwegs. „Da waren wir manchmal den ganzen Winter über in München.“ Heute finden diese Einsätze kaum noch statt. An Arbeit mangelt es dennoch nicht. Die Auftragsbücher seien weiterhin gut gefüllt.

Besonders gern erinnert sich Matthias Hoff an ein anspruchsvolles Klinkermauerwerk an einem Neubau mit verklinkerten Simsen und Bogenfenstern zurück. „Bei den Arbeiten haben wir als Team noch einmal viel dazugelernt.“ Auch die historische Einfriedung des Amtsgerichts Weißenfels entstand unter der Mitwirkung des Meister im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks.

Handwerk mit Blick nach vorn

Mit dem Firmenjubiläum feiert Matthias Hoff zugleich seinen 60. Geburtstag. Auf die häufig gestellte Frage nach der Nachfolge reagiert er gelassen und mit einem Lächeln. „Manchmal kann ich die Frage zur Nachfolge gar nicht mehr hören. Seit 60 Jahren lebe und arbeite ich hier an diesem Ort. Was soll ich zuhause? Ich bin ja zuhause. Und das ist mein Leben. Ich höre ja auch nicht einfach auf zu leben.“ Sein Wunsch für die Zukunft ist bescheiden: „Ich wünsche mir eine entspannte Kundschaft, Gesundheit und dann wird das alles.“

Die Jubiläen der beiden Steinmetzbetriebe zeigen eindrucksvoll, wie viel Beständigkeit, Anpassungsfähigkeit und Leidenschaft in familiengeführten Handwerksunternehmen steckt. Trotz veränderter Kundenwünsche und gesellschaftlicher Entwicklungen bleibt eines unverändert: die Begeisterung für die Arbeit mit Stein.

Titelbild: Bernd Rudolph (v.li.), sein Bruder und heutiger Geschäftsführer Matthias Hoff sowie Karsten Gläser freuen sich über die Jubiläumsurkunde der Handwerkskammer für Ostthüringen anlässlich des 125-jährigen Betriebsjubiläums. Foto: Lea Bartzok-Porsch