Bürokratie, Arbeitskräftemangel und mehrLandkreis Greiz im Fokus zum Handwerkertalk
Nach den erfolgreichen Veranstaltungen im Altenburger Land und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gab es jetzt die Fortsetzung des Talkformats „Damit Sie wissen, was wir tun.“ der Handwerkskammer für Ostthüringen im Landkreis Greiz.
Gemeinsam mit der Sparkasse Gera-Greiz und dem Landratsamt hatte die Handwerkskammer interessierte Handwerkerinnen und Handwerker in die Räumlichkeiten der Sparkasse in Zeulenroda eingeladen.
„Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen, Probleme aufgreifen, Lösungsansätze bieten“, verdeutlichte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Karsten Sachse, das Ansinnen der Veranstaltung. Schließlich sei es nur gemeinsam möglich, die vielfältigen Probleme und Herausforderungen in der Region zu lösen, um so dem Handwerk Perspektiven zu geben. Dafür sei es wichtig, mit den regionalen Akteuren wie Landrat und Sparkassenvorstand etwas in und für die Region zu bewegen.
Einblicke in die Arbeit von Kammer und Sparkasse
In einem kurzen Abriss wurde den Gästen die Struktur und Aufgaben der Handwerkskammer vorgestellt. Insbesondere die zahlreichen für Mitgliedsbetriebe kostenfreien Dienstleistungen der Handwerkskammer waren vielen Handwerksunternehmerin nicht bewusst. Aber auch die Tatsache, an welchen Stellen und mit welcher Intensität die Interessen der Betriebe gegenüber der Politik stetig vertreten werden, überraschte die Anwesenden.
Ebenso nutzten der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Dr. Hendrik Ziegenbein, und der Leiter Firmenkundencenter, Manuel Scherp, die Gelegenheit, Einblicke in das Leistungsspektrum der Sparkasse insbesondere für Unternehmerinnen und Unternehmer zu geben.
Landrat spricht Klartext zur Arbeitskräftesituation
Nicht zuletzt sprach der Landrat des Landkreises Greiz, Dr. Ulli Schäfer, Klartext zur Situation im Landkreis. Für ihn ist eine der wichtigsten Aufgaben, dem Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken. Hier möchte er Anpassungen vornehmen, um insbesondere jüngere Erwerbslose und Asylbewerber in Arbeit zu bringen. Für ihn ist klar: „Jeder muss und soll einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, auch mit gemeinnütziger Arbeit“, so Dr. Ulli Schäfer. Hier müsse stärker gefordert und im Notfall auch entsprechend deutlich bei Arbeitsverweigerung sanktioniert werden. Der Landkreis macht bereits vor, wie es funktionieren kann.
Papierwust und Statistiken hemmen Betriebe in ihrer Arbeit
Im Fokus der Veranstaltung stand jedoch die Diskussionsrunde und der Austausch mit den anwesenden Handwerkerinnen und Handwerkern. Einige Unternehmerinnen und Unternehmer schilderten ihre Probleme. Insbesondere die bürokratischen Hürden und Belastungen kommen hier immer wieder zur Sprache. Alexander Plecher von der P-System GmbH aus Haselbach sprach unter anderem die permanenten Abforderungen von Statistikmaterial an – und das teilweise unter Androhung von Strafen, wenn die Daten nicht geliefert werden. Viele Institutionen und Ämter fordern die gleichen Daten ab. „Hier muss es doch in der heutigen Zeit auch digitale Lösungen geben, dass auf einmal gelieferte Daten auch andere Börden zugreifen können“, so der Unternehmer.
Diesen Bürokratieaufwand bemängelte auch Friseurmeisterin Yvonne Geithner aus Zeulenroda. Sie hat den Eindruck, dass oftmals nur Daten abgefordert werden, um diese abheften zu können. Den effektiven Nutzen und was mit den Daten genau passiert, konnte ihr bisher keiner erklären.
Nachwuchsgewinnung und Unternehmensnachfolge
Nicht zuletzt wurden auch die Themen der Nachwuchsgewinnung und der Unternehmensnachfolge angesprochen. Was die Handwerkskammer hier tut, erläuterte ausführlich Katja König als stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer. In punkto Unternehmensnachfolge ist zudem die Sparkasse ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um die Finanzierungsmöglichkeiten geht.
Der Handwerkertalk hat sich mittlerweile als Plattform bewährt. Es ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je, den Austausch miteinander zu suchen, statt übereinander zu reden. Nur so können dem Handwerk im Landkreis Greiz Perspektiven geboten und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden, waren sich alle einig.
Titelbild: Von links: Hauptgeschäftsführer Karsten Sachse kam nach dem offiziellen Teil ins Gespräch mit den beiden Tischlermeistern Benjamin Mittenzwei aus Greiz und Sven Dittmar aus Zeulenroda, Friseurmeisterin Yvonne Geithner aus Zeulenroda und Bäckermeisterin Emma Ehrhardt aus Kleinreinsdorf. Mit dabei auch der Greizer Landrat Dr. Ulli Schäfer und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Gera-Greiz, Dr. Hendrik Ziegenbein.