Tischler Meisterschüler stehen kurz vor dem Abschluss Zwischen Werkbank und Zukunftsplänen
Der Duft von frischem Holz liegt in der Luft. Maschinen verstummen, Maßbänder werden eingezogen, noch einmal gleitet die Hand über eine sauber geschliffene Oberfläche. In der Werkstatt der Bildungsstätte der Handwerkskammer in Zeulenroda geht es nicht mehr um die ersten Schritte eines Werkstücks. Hier zählt die Präzision im Detail. Denn für acht angehende Tischlermeister aus Thüringen und Niedersachsen rückt das große Ziel in greifbare Nähe: der Meisterbrief.
Der aktuell laufende Vollzeit-Meisterkurs befindet sich auf der Zielgeraden. Nach der theoretischen Prüfung bereiteten sich die Teilnehmer in ihrer letzten Praxiswoche an drei Tagen auf die Situationsaufgabe der praktischen Meisterprüfung vor. Gefordert war die Anfertigung eines Rasierspiegelschranks mit Klappmechanismus, ähnlich einem Nähkästchen. Zum Werkstück gehören ein aufgesteckter Spiegel, eine Wandhalterung sowie ein auf Gehrung abgesetzter und geschlitzter Spiegelrahmen. Verarbeitet werden Kiefernholz und Birkensperrholz.
Doch hinter jedem Werkstück steckt auch eine persönliche Geschichte. Das zeigt der Blick auf zwei der Teilnehmer besonders eindrucksvoll.
Vom Radsport zur Werkbank
Für Paul Groch aus Erfurt führte der Weg zum Tischlermeister nicht geradlinig durchs Handwerk. Der heute 24-Jährige sah seine Zukunft ursprünglich im Radsport. Als während der Corona-Pandemie sein Rennstall schließen musste, stand er vor einem Neuanfang. Nach dem Fachabitur im Bereich Bautechnik absolvierte er verschiedene Praktika. Eines davon in einer Tischlerei und genau dort fiel die Entscheidung für seine berufliche Zukunft. „Nach meinem Praktikum war für mich klar, dass Tischler sein genau das ist, was ich machen möchte. Mein Vater ist ebenfalls Tischler, durch ihn habe ich von klein auf auch mitbekommen, welche Arbeiten ein Tischler verrichtet. Aber mit dem Praktikum wurde es mir dann schlussendlich bewusst, wo meine Zukunft hingehen soll.“ Neben dem Werkstoff Holz hat Paul Groch noch eine zweite große Leidenschaft: Kaffee. Beide Interessen verbindet er bereits erfolgreich miteinander. Über den Betrieb seines Vaters betreibt er unter dem Namen „Grochwoodart“ einen Onlineshop für Zubehör von Siebträgermaschinen. Seine Produkte werden inzwischen nach Australien, Nordamerika und in zahlreiche europäische Länder verkauft. Darüber hinaus betreibt er mit den „Coffeebrothers“ eine mobile Cafébar.
Kein Wunder also, dass auch sein Meisterstück mit dem Thema Kaffee verbunden ist. Groch plant eine Cafébar für den privaten Bereich. Das Projekt ist bewusst als Prototyp angelegt. „Mein Meisterstück hat einen wirtschaftlichen Hintergrund“, sagt er. Nach dem Meisterabschluss möchte er prüfen, ob sich daraus ein eigenständiges Produkt entwickeln lässt. Dabei setzt er vor allem auf soziale Medien. „99 Prozent unserer Kunden kommen über Social Media auf unseren Onlineshop.“
Den Betrieb seines Vaters möchte er später nicht übernehmen. Stattdessen plant er die Gründung eines eigenen Unternehmens mit Schwerpunkt Möbelbau, Innenausbau sowie Funktionsmöbeln für Cafés und Heimbaristas. Für den Vollzeitkurs in Zeulenroda entschied er sich bewusst. „Zeulenroda bietet eine tolle geografische Lage. Außerdem hat man den Meister in Vollzeit schnell über die Bühne gebracht. Ich hätte meine Arbeit am Onlineshop und der Cafébar mit meinem Beruf als Tischler in einem Teilzeitkurs gar nicht schaffen können.“
Verantwortung als Antrieb
Auch Sandro Kellner aus Caaschwitz verfolgt klare Ziele. Der 32-Jährige war vier Jahre lang europaweit auf Montage unterwegs – unter anderem im Schiffs- und Ladenbau. Ein Leben zwischen Baustellen, Hotels und wechselnden Einsatzorten.
Dann wurde er Vater. „Ab da wusste ich, dass ich etwas ändern möchte und muss, wenn ich mein Kind aufwachsen sehen möchte.“ Sandro Kellner begann, seine berufliche Zukunft neu zu bewerten. Das Ergebnis: Er wollte Verantwortung übernehmen und sein eigener Chef werden. Gemeinsam mit Freunden aus Kindheitstagen plant er den Weg in die Selbstständigkeit. Diese sind in unterschiedlichen Bereichen tätig. Von Immobilien über Solarenergie bis hin zur Unternehmensberatung. „Jeder von uns möchte seinen eigenen Weg gehen, aber dennoch wollen wir diesen miteinander in die Selbstständigkeit wagen. Wir versprechen uns davon künftig, voneinander lernen zu können, zu Netzwerken und sich auch mal unter die Arme zu greifen, wenn es nötig ist.“
Seit Juli 2025 ist Kellner bereits mit einer Ausnahmegenehmigung der Handwerkskammer selbstständig tätig. Der Meistertitel soll nun die Grundlage für den nächsten Schritt bilden. Warum aber die Bildungsstätte Zeulenroda? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Ich kenne unseren Meisterausbilder Thomas Meißgeier bereits seit meiner Ausbildung. Daher war für mich klar, dass ich bei ihm auch meinen Meister machen möchte.“ Darüber hinaus schätzt er die moderne Ausstattung der Bildungsstätte, die aus seiner Sicht „auf dem modernsten Stand“ ist sowie die geografische Lage, welche auch Paul Groch lobt.
Meistertitel als Wegweiser
Die Geschichten von Paul Groch und Sandro Kellner zeigen, wie unterschiedlich die persönlichen Wege und Beweggründe zum Meister sein können. Was beide im Kern aber eint, ist ein klares Ziel: Sie wollen ihre Zukunft selbst gestalten.
Bevor es aber so weit ist, wartet jedoch noch die Abgabe des Meisterstückes Ende August. Für die acht Teilnehmer des Vollzeitkurses beginnt nun der Endspurt auf dem Weg zum Meisterbrief.
Titelbild: Paul Groch ist einer von acht Tischlern, welche in der Bildungsstätte Zeulenroda in Vollzeit ihren Meister machen. Das Meisterschulen-Modell schätzt er sehr.
Der nächste Vollzeit Meisterkurs für Tischler startet ab dem 4. Januar 2027 in der Bildungsstätte Zeulenroda.