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HWK für Ostthüringen

Glaserei Hilbert feiert 60-jähriges JubiläumWo Fenster Geschichte schreiben

Manche Fenster und Türen erzählen Geschichten. Andere bewahren sie. In der Glaserei Hilbert in Mohlsdorf-Teichwolframsdorf entstehen seit sechs Jahrzehnten besondere Werkstücke aus Holz, die oftmals historische Gebäude für kommende Generationen erhalten. Zum 60-jährigen Betriebsjubiläum blickt die Handwerkerfamilie auf eine bewegte Unternehmensgeschichte und zugleich optimistisch in die Zukunft. Viele kamen, um zu gratulieren. So auch Udo Ritter, Vizepräsident der Handwerkskammer für Ostthüringen, welcher die Jubiläumsurkunde der Handwerkskammer überreichte. „Ich freue mich immer wieder, dass solche kleinen Unternehmen und dazu auch noch ein mittlerweile seltenes Handwerk, so lange existieren“, betonte Udo Ritter bei der Übergabe.

Gegründet wurde die Glaserei im Jahr 1966 von Glasermeister Manfred Hilbert und seiner Frau Renate. In einer Zeit, in der die Neugründung privater Handwerksbetriebe in der DDR alles andere als selbstverständlich war, bauten sie den Betrieb mit viel Beharrlichkeit und persönlichem Einsatz am heutigen Standort auf. Die erste Werkstatt befand sich in einem ehemaligen Stallgebäude und verfügte auf gerade einmal 30 Quadratmetern. Material und Technik waren knapp, Aufträge dagegen reichlich vorhanden. Wartezeiten von zwei Jahren und mehr gehörten damals zum Alltag.

Handwerk in dritter Generation

1996 übernahmen Frank und Silke Hilbert die Verantwortung für das Unternehmen. Investitionen in Maschinen, neue Produktionsmöglichkeiten und eine schrittweise Modernisierung des Betriebes sorgten dafür, dass die Glaserei auch nach der Wiedervereinigung erfolgreich am Markt bestehen konnte. Ein wichtiger Meilenstein war bereits 1991 die Einführung der Produktion von Holz-Isolierglasfenstern.

Heute wird die Glaserei von Frank und seinem Sohn Karl Hilbert gemeinsam als GbR geführt. Für Karl Hilbert war der Weg in die Nachfolge früh vorgezeichnet. „Ich habe schon klein auf im Unternehmen meinem Vater geholfen. Daran hatte ich meinen Spaß und deshalb war es irgendwann einfach selbstverständlich für mich, dass ich das Unternehmen fortführen möchte.“

Nach seiner Meisterprüfung im Jahr 2020 sammelte er zunächst Erfahrungen in anderen Betrieben, bevor er in das Familienunternehmen zurückkehrte.

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Glasermeister Karl Hilbert zeigt Udo Ritter sein Meisterstück, welches er 2020 anfertigte. 

Denkmalschutz als besondere Stärke

Das Unternehmen beschäftigt heute neben den beiden Geschäftsführern zwei Gesellen, einen Auszubildenden sowie Silke Hilbert. Rund 80 Prozent der angebotenen Leistungen werden im eigenen Betrieb gefertigt. Dazu gehören Fenster und Türen aus Holz, Verglasungen, Innenausbauten, Massivholzmöbel und zahlreiche Sonderanfertigungen.
Besonders gefragt ist die Glaserei im Bereich der Denkmalpflege. Die Restaurierung historischer Fenster und Türen hat dem Betrieb weit über die Region hinaus Anerkennung eingebracht. So erhielt die Glaserei Hilbert 2007 in Thüringen und 2020 in Sachsen den Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege.

Holzfenster erleben Renaissance

Aktuell arbeitet das Unternehmen an der Einführung eines modernen Fenstersystems. Grundlage dafür ist eine Entwicklung des Branchenexperten Rainer Baiermeister, der hierfür einen speziellen Fräser konstruiert hat. Die Glaserei Hilbert investierte in die neue Technik und stellt ihre Fensterproduktion schrittweise auf das innovative System um. Dabei profitiert der Betrieb auch von einem veränderten Markt. „Nach der Wende wollten alle Plastikfenster. Diese Generation ist jetzt vorüber. Der Trend geht wieder zu Holzfenstern“, beschreibt Frank Hilbert die aktuelle Entwicklung. Die Verbindung aus traditionellem Werkstoff und moderner Fertigungstechnik eröffnet dem Unternehmen neue Möglichkeiten – insbesondere bei anspruchsvollen Projekten im Denkmalbereich.

Gut aufgestellt für die Zukunft

In den vergangenen Jahren investierte die Glaserei kontinuierlich in ihre Zukunft. Ein Werkstattanbau wurde fertiggestellt, der Maschinenpark modernisiert, eine neue Absauganlage installiert und eine Photovoltaikanlage für die Eigenstromversorgung errichtet. Zudem beteiligt sich das Unternehmen seit Jahren am Nachhaltigkeitsabkommen Thüringen.

Auch die Ausbildung bleibt ein wichtiges Thema. Aktuell lernt ein Auszubildender im Betrieb.
Seine Wünsche für die kommenden Jahre formuliert er bodenständig: „Dass alles weiterhin so bleibt, wie es bisher läuft. Also weiterhin gute Kunden, die uns zur Seite stehen, interessante Aufträge und dass der Lehrling bleibt.“

Nach sechs Jahrzehnten Unternehmensgeschichte zeigt die Glaserei Hilbert eindrucksvoll, wie sich handwerkliche Tradition, Innovationsbereitschaft und Familienzusammenhalt verbinden lassen.

Titelbild: Udo Ritter (v.li.), Vizepräsident der Handwerkskammer für Ostthüringen gratulierte Karl und Frank Hilbert zum 60-jährigen Firmenjubiläum.