Hamid Mohamed verwirklicht seinen Traum im HandwerkVon Aleppo zum Kfz-Meister
„Wenn Hamid Mohamed einen Raum betritt, vermittelt er das Gefühl: Nichts ist unmöglich.“ Der 32-Jährige aus Gera hat in den vergangenen Jahren bewiesen, wie weit man mit Fleiß, Ausdauer und einem klaren Ziel kommen kann. Vom Geflüchteten aus Syrien bis zum Kraftfahrzeugtechnikermeister war es ein langer Weg. Aufgegeben hat er dabei nie.
2015 kam Hamid Mohamed aus Aleppo in Nordsyrien nach Deutschland. Eigentlich hatte er einen anderen Berufswunsch. „Ich wollte immer Medizin studieren und Arzt werden. Leider blieb mir das durch den Krieg verwehrt“, erzählt er. Nach seiner Ankunft war er vor allem darum bemüht, die deutsche Sprache zu erlernen. Sein Ziel blieb zunächst ein Medizinstudium. Als er sich in Jena bewarb, wurde ihm stattdessen ein Studium der Medizintechnik angeboten. Für Hamid war das jedoch nicht dasselbe.
Stattdessen entschied er sich zunächst für einen Bundesfreiwilligendienst bei der Diakonie. Dort arbeitete er 2018 als Dolmetscher. Kein Wunder: Neben Deutsch spricht Hamid Arabisch, Kurdisch, Türkisch und Englisch. „Von diesem Geld, was ich da verdient habe, konnte ich meinen Autoführerschein finanzieren.“
Der Weg zum Traumjob
Nach dem Führerschein lieferte der junge Syrer Pakete aus. „Das habe ich gemacht, um Geld zu verdienen. Und um nicht nur rumzusitzen, sondern um mich einzubringen.“ Doch Hamid wollte „eine richtige Ausbildung machen“ sagt er. Eine Berufsberatung brachte schließlich die entscheidende Wendung und ein berufliches Umdenken. Dort fragte man ihn, was er in seiner Heimat gerne gemacht habe. Da habe er Fußball gespielt und regelmäßig bei seinem Bruder in der Autowerkstatt geholfen. Daraufhin wurde er an die Handwerkskammer verwiesen. Dort traf er auf Undine Wachsmann, die damals Geflüchtete in Arbeit vermittelte. „Hamid war unglaublich ehrgeizig und hatte ein klares Ziel vor Augen“, erinnert sie sich. Von diesem Zeitpunkt an stand für ihn fest: Er wollte Kfz-Mechatroniker werden.
Beim Bewerbungsgespräch im Autohaus Fischer in Jena überzeugte er schließlich und absolvierte von August 2019 bis Januar 2023 dort seine Lehre. „Ich hatte wirklich eine tolle Ausbildung und mein Ausbilder war einfach Klasse“, so der Kfz-Mechatroniker. Zu den Höhepunkten zählte ein Auslandspraktikum in Schweden. Eine Herausforderung stellte aber die tägliche Fahrt nach Jena dar und er wechselte in ein Autohaus in der Nähe von Gera.
Der Meister als nächstes Ziel
Stillstand kam für Hamid nie infrage. „Wenn ich etwas mache, dann möchte ich den höchsten Bildungsstand erreichen.“ Deshalb entschied er sich, den Meistertitel im Kraftfahrzeugtechniker-Handwerk anzustreben. Sein ehrgeiziges Ziel: alle vier Meisterprüfungsteile innerhalb eines Jahres absolvieren. Dass dies kein leichter Weg werden würde, war ihm bewusst. Die Teilnehmer des ersten Vollzeit-Meisterkurses für Kraftfahrzeugtechnikermeister der Handwerkskammer für Ostthüringen standen vor einer besonderen Herausforderung. „Für die Fachtheorie und Fachpraxis benötigt man Material, Werkzeug und eine Hebebühne, um auch mal zu üben. Man hat ja in der Regel keinen Betrieb im Hintergrund“, sagt Hamid. Umso dankbarer sei er für die Unterstützung seiner Meisterkollegen gewesen, die ihm beispielsweise Hebebühnen zur Verfügung stellten. Auch die Handwerkskammer unterstützte den Kurs intensiv. „Wir haben Werkzeugwagen bekommen und auch die Begleitung durch Madlen Röhler von der Weiterbildungsberatung war bemerkenswert.“
Ehrgeiz als Erfolgsrezept
Zusätzlich erschwerte die Sprache die Prüfungsvorbereitung. Deutsch ist bis heute nicht seine Muttersprache, obwohl er auf seinem Bildungsweg bereits das C1-Zertifikat abgelegt hat. Dieses bescheinigt fachkundige und kompetente Sprachkenntnisse und stellt die Vorstufe zur Muttersprache dar. „Andere lesen einen Satz einmal und merken sich den Inhalt. Ich muss diesen manchmal drei Mal lesen und mir eine Brücke bauen, um den Inhalt zu merken.“
Aufgeben war dennoch keine Option. Für die Dokumentation seines Meisterprojekts saß er nach eigener Aussage rund drei Monate lang täglich von morgens bis in den Abend hinein am Schreibtisch. „Ich dachte mir immer: Wenn andere das schaffen, dann schaffe ich das auch.“
Auch gut gemeinte Ratschläge konnten Hamid nicht bremsen. Wenn ihm jemand sagte, er könne eine Prüfung notfalls wiederholen, hatte er eine klare Antwort: „Ich habe nur diese eine Chance und ich will beim ersten Mal bestehen. Alles andere wäre verschwendete Lebenszeit.“ Also lernte er. Bücher, Fachliteratur, Videos im Internet. Er sog jedes verfügbare Wissen auf.
Am Tag der Meisterprüfung war Hamid zwar aufgeregt, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Souverän arbeitete er sich durch die Situationsaufgaben und sein vorbereitetes Meisterprojekt. Doch sein Ehrgeiz sollte sich endlich auszahlen. Hamid Mohamed hatte die Meisterprüfung bestanden.
Blick nach vorn
Eigentlich würde der Kraftfahrzeugtechnikermeister gerne noch Fahrzeugtechnik in Zwickau studieren. Doch er möchte zunächst wieder in Lohn und Brot stehen. „Ich habe für die Meisterschule meine ganzen Rücklagen aufgebraucht.“ Deshalb beschäftigt ihn aktuell ein anderes Ziel: die Selbstständigkeit. Bereits heute nutzt er die Existenzgründungsberatung der Handwerkskammer.
Meister sein, Zukunft gestalten
Hamid hat auch schon eine gute Vorstellung davon, wo er sich in fünf Jahren sieht. „Dann möchte ich einen soliden Betrieb führen und vielleicht auch schon einen Azubi ausbilden und der nächsten Generation etwas beibringen, so wie es mein Ausbilder gemacht hat. Denn Handwerk wird immer gebraucht.“
Aus dem jungen Mann, der einst in Aleppo Arzt werden wollte, ist ein Kfz-Meister geworden, der nun selbst Verantwortung übernehmen und Wissen weitergeben möchte.
Titelbild: Hamid Mohamed legte mit Erfolgt die Meisterprüfung im Kraftfahrzeugtechniker-Handwerk ab und beweist damit, was mit Mut, Fleiß und dem festen Glauben an die eigenen Ziele möglich ist. Foto: Lea Bartzok-Porsch