In eigener Sache: Kritik an OTZ-BerichterstattungSchlagzeilen statt guter Recherche
Die Handwerkskammer sieht sich aktuell in der Pflicht – auch im Interesse Ihrer Mitgliedsbetriebe - auf einen Fall hinzuweisen, der symbolisch für die derzeitige mediale Berichterstattung einzelnen Medien steht. Zum wiederholten Mal wurde in der Ostthüringer Zeitung (OTZ) ein Artikel veröffentlicht, der journalistische Sorgfaltsplicht vermissen lässt.
Es handelt sich um einen Bericht über eine Konditorin aus Ostthüringen, die daran Kritik übt, dass sie ihren Kuchen und ihre Torten nur im Café verkaufen darf und nicht auch außer Haus, da sie in einem zulassungspflichtigen Handwerk arbeitet, jedoch nicht über den entsprechenden Meisterbrief verfügt.
„Wir stehen voll und ganz hinter der Meinungsfreiheit und es ist das gute Recht eines jeden, Kritik zu äußern“, macht Karsten Sachse, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostthüringen, deutlich. „Was jedoch nicht geht, dass in einer Zeitung Aussagen ungeprüft veröffentlicht werden, wie in diesem Fall geschehen.“
Wäre die Ostthüringer Zeitung ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen und hätte bei der Handwerkskammer nachgefragt, ergebe sich ein ganz anderes Bild. Schließlich hatte die besagte Konditorin nur einmal telefonisch in der Handwerkskammer nachgefragt und erhielt entsprechende Informationsunterlagen zugesandt. Gleichzeitig wurde angeboten, in einem persönlichen Gespräch gemeinsam nach Möglichkeiten und Lösungen zu suchen. Leider hatte sich die Konditorin danach nicht wieder gemeldet, sondern setzte stattdessen auf den Kontakt zur Zeitung.
„Um es ganz klar zu sagen: Es ist unsere Aufgabe, die vielen bei uns in der Handwerksrolle eingetragenen, ehrlich und hart arbeitenden Handwerkerinnen und Handwerker vor unlauterem Wettbewerb zu schützen. Das betrifft alle Gewerke – vom Nahrungsmittelhandwerk über das Friseurhandwerk bis hin zu den Bauhandwerken“, erläutert der Hauptgeschäftsführer. Daran werde man auch künftig keine Abstriche machen und dennoch mit Augenmaß Entscheidungen treffen.
In dem oben genannten Fall des OTZ-Beitrages hätte eine Rücksprache seitens der entsprechenden Redakteurin mit der Handwerkskammer Klärung bringen können. „Wahrscheinlich war dies nicht gewollt, um die entsprechende Schlagzeile produzieren zu können“, zeigt sich Karsten Sachse verärgert. „Wir müssen seit geraumer Zeit feststellen, dass die Ostthüringer Zeitung sich immer mehr dem Boulevard-Journalismus verpflichtet fühlt und den Wert korrekter und umfassender Berichterstattung vernachlässigt.“
Man könne zwar nachvollziehen, dass Zeitungen auf möglichst viele neue Abonnenten – sei es für die Printausgabe als auch für ihre Bezahlt-Artikel im Internet - angewiesen sind. Dabei werde aber in Kauf genommen, dass reißerische Schlagzeilen und Beiträge zu Lasten anderer gehen.