Frühjahrsumfrage zeigt keine Besserung Ostthüringer Handwerk in der Rezessionsfalle
Die wirtschaftliche Situation im Ostthüringer Handwerk hat sich gegenüber dem Frühjahr 2025 noch einmal leicht verschlechtert. Das geht aus der aktuellen Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer für Ostthüringen unter ihren Mitgliedsbetrieben hervor.
Der wichtige Geschäftsklimaindikator (der geometrische Mittelwert aus „guter“ und „schlechter“ Geschäftslage sowie „guten“ und „schlechten“ Geschäftserwartungen) liegt derzeit bei 91 Prozentpunkten und damit elf Prozentpunkte unter dem Vorjahrwert.
Geschäftslage fast auf Niveau der Coronazeit
So bewerten die Ostthüringer Handwerksunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage zu 75 Prozent mit gut bis befriedigend (Frühjahr 2025 waren es 78 Prozent). Nur noch 29 Prozent der Betriebe berichten im Berichtszeitraum von einer guten Geschäftslage. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im Jahr 2021 während der Corona-Krise verzeichnet. Jeder 4. Betrieb (25 Prozent) bezeichnet die Lage als schlecht.
Der Negativtrend zieht sich durch alle Gewerkegruppen. Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf als Dienstleister für die Industrie sieht sich durch die in weiten Teilen der Industrie und damit verbundener Auftragsrückgänge zunehmend unter Druck. Aber auch das Lebensmittelhandwerk, das Kfz-Gewerbe ebenso wie das Bauge-werbe weisen deutlich verschlechterte Umfragewerte auf. Lediglich das Ausbaugewerbe hält das Niveau aus dem Frühjahr 2025.
Zurückzuführen sind diese Werte unter anderem auf sich weiter verschlechternde Umsatzwerte. 39,5 Prozent der Handwerksbetriebe in Ostthüringen verzeichnen Umsatzrückgänge. Nur 11,8 Prozent konnten ihre Umsätze steigern. Dies entspricht einem nochmaligen Rückgang gegenüber dem Frühjahr 2025 von einem bzw. drei Prozent-punkten.
Investitionsbereitschaft nimmt weiter ab
Auch die sich gegenüber dem Frühjahr 2025 nochmals geringere Investitionsneigung spricht für eine weitere Eintrübung der Geschäftssituation. Nur jedes 8. Unternehmen berichtet von gestiegenen Investitionen. Nur knapp zehn Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Investitionen (Frühjahr 2025 waren es 12,4 Prozent). Gesunkene Investitionen meldeten 53,6 Prozent der Handwerksunternehmen. Im Frühjahr 2025 lag dieser Wert bei 48,8 Prozent.
Enorme Probleme sehen die Betriebe in den Einkaufspreisen. Sprachen vor Jahresfrist bereits 75 Prozent von gestiegenen Einkaufspreisen, so sind es im Frühjahr 2026 mit 85 Prozent noch einmal zehn Prozent mehr.
Keine Trendwende in den kommenden Monaten in Sicht
Die Zukunftsaussichten der Geschäftslage der Ostthüringer Handwerkerinnen und Handwerker für die kommenden Monate geben ebenfalls keinen Anlass zur Hoffnung auf eine leichte Trendwende. Nur neun Prozent der Befragten erwarten eine verbesserte Geschäftslage, während 29 Prozent von einer weiteren Verschlechterung ausgehen.
Die Einzelindikatoren zur Geschäftslageerwartung fallen ebenfalls pessimistischer als im Frühjahr 2025 aus. Nur 19 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Umsatz. Ein Drittel geht von weiter sinkenden Umsätzen aus. Zudem planen nur sechs Prozent der befragten Betriebe neue Investitionen. Demgegenüber prognostizieren 57 Prozent sinkende Investitionen aus. Ein Alarmsignal für die kommenden Monate ist zudem die Entwicklung der Beschäftigungszahlen. Jeder fünfte Betrieb erwartet hier einen Rückgang.
Kammerpräsident Wolfgang Jacob warnt vor Rezession
„Die wirtschaftspolitischen Negativentwicklungen der zurückliegenden Monate schlagen jetzt mit voller Härte auch im Ostthüringer Handwerk durch“, so Wolfgang Jacob, Präsident der Handwerkskammer für Ostthüringen. „Die zahlreichen Ankündigungen seitens der Politik wurden bisher in keinster Weise in die Tat umgesetzt. Die damit verbundene Verunsicherung, gepaart mit weiter massiv gestiegenen Energie-, Material- und Sozialversicherungskosten sowie den immensen bürokratischen Belastungen geben derzeit keinen Anlass für Zuversicht.“ Vielmehr werden Kosten auf die Betriebe abgewälzt, wie die sogenannten "Entlastungsprämie" zeigt. Die sollen ausgerechnet jene zahlen, die eigentlich Entlastung brauchen. „Ich sage es ganz klar: diejenigen, die diese Prämie von 1.000 Euro vollmundig versprechen, müssen sie auch bezahlen“, so Wolfgang Jacob.
Aus Sicht des Kammerpräsidenten ist es schon nicht mehr fünf vor zwölf, um eine Trendwende einzuleiten. „Es ist endlich an der Zeit, dass sich die Bundesregierung jetzt geschlossen auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs verständig, der zu deutlichen Entlastungen sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer führt.“
Nur wenn schnellstmöglich gehandelt wird, sei aus Sicht des Kammerpräsidenten eine anhaltende Rezession und damit ein nicht mehr reparabler Schaden für das Handwerk, die Gesamtwirtschaft und damit auch für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt abwendbar.