Deutsch-schwedischer Austausch stärkt Fachkräfte Lernen über Ländergrenzen hinweg
Internationale Erfahrungen sammeln, voneinander lernen und berufliche Perspektiven erweitern – das ermöglicht das Erasmus+-Programm auch im Handwerk. Im Rahmen eines Erasmus+-Auslandspraktikums war der schwedische Auszubildende Caspian Henriksson zwei Wochen zu Gast in Ostthüringen. Für zwei Tage wurde er außerdem von seinem Berufsschullehrer Berth Hansson vom Ystad Gymnasium in Schweden begleitet.
Praktikum in Geraer Betrieb
Caspian absolviert in Schweden eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker. Während des Aufenthaltes war die Raiffeisen Technik Mitte GmbH aus Gera sein Praktikumspartner. Dort erhielt er Einblicke in den deutschen Werkstattalltag und konnte praktische Erfahrungen an Land- und Baumaschinen sammeln. Traktoren haben es ihm schon von klein auf angetan. Ein Interesse, das sich auch aus seiner Heimatregion rund um Ystad erklärt, die stark landwirtschaftlich geprägt ist.
Austausch auf Augenhöhe
Während seines Aufenthalts stand Caspian der Auszubildende Elijah Bosold als Praktikumspate zur Seite. Beide befinden sich im dritten Lehrjahr, was den fachlichen Austausch besonders intensiv machte. Für Elijah war der internationale Besuch zugleich Inspiration: Auch er möchte künftig ein Auslandspraktikum in Schweden absolvieren.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Ausbildung
Sein Auslandspraktikum nimmt Caspian als große persönliche und fachliche Bereicherung mit. Unterschiede zwischen den Ausbildungssystemen sieht er dennoch nur in Details: „Grundsätzlich ist die Struktur der Ausbildung von Deutschland zu Schweden sehr gleich. Bei uns daheim dauert diese drei Jahre. In Summe ist man eineinhalb Jahre in der Schule und eineinhalb Jahre in der Praxis im Betrieb. Blockunterricht gibt es keinen“, berichtet er. Berufsschullehrer Berth Hansson ergänzt: „Das erste Lehrjahr ist für alle Mechaniker gleich, da lernen sie die Basics. Erst danach differenzieren sie sich in die Bereiche Pkw, Nutzfahrzeuge sowie Land- und Baumaschinen.“ Der Praxisanteil steigt dabei kontinuierlich. Im ersten Lehrjahr absolvieren die Auszubildenden zwei Wochen Praxis, im zweiten vier Wochen und im dritten Lehrjahr arbeiten sie vollständig im Betrieb. Der Übergang in die Vollpraxis ist zudem leistungsabhängig. Caspian konnte aufgrund guter Leistungen früher als regulär in den Betrieb wechseln.
Praxis als Schlüssel zum Lernerfolg
An seinem Beruf schätzt Caspian besonders die Abwechslung und die technische Vielfalt. Für ihn steht das praktische Arbeiten im Mittelpunkt: „Du kannst nur von deinen praktischen Fehlern lernen und nicht von einem Stift und Blatt Papier. Die Erfahrungen, die man an den Fahrzeugen macht, bringen einen am meisten weiter.“ Nach seiner Ausbildung möchte er weiterhin in seinem Ausbildungsbetrieb tätig sein. Eine Meisterschule gibt es in Schweden in diesem Handwerk nicht. „Am Ende kommt es auf den Betrieb an, ob dieser bereit ist, in dich und dein Wissen zu investieren. So kann man weiterkommen“, so Caspian.
Lehrer blickt hinter die Kulissen
Berth Hansson ist seit 1993 Lehrer am Ystad Gymnasium und war nun bereits zum fünften Mal in Ostthüringen zu Gast. An zwei Tagen verschaffte er sich Einblicke in den Berufsschulalltag sowie in die Arbeit der Ausbilder in der Bildungsstätte Gera der Handwerkskammer für Ostthüringen. Begleitet wurde er dabei von Andreas Jörk, Mobilitätsberater der Handwerkskammer, welcher auch die Auslandspraktika für die Auszubildenden organisiert und begleitet.
Lob für das duale System
Vom deutschen Ausbildungssystem zeigt sich der schwedische Berufsschullehrer beeindruckt. „Es ist alles perfekt organisiert und die Arbeit von Betrieben, Berufsschule und Handwerkskammer greifen wie Zahnräder ineinander. Ich bin seit meinem ersten Besuch hier in Ostthüringen sehr angetan“, resümiert Hansson. Für ihn war es zugleich ein besonderer Besuch: Nach diesem Aufenthalt wird er in den Ruhestand gehen. Die langjährige Zusammenarbeit mit Mobilitätsberater Andreas Jörk möchte Berth Hansson dennoch fortführen. „Aus der Zusammenarbeit ist mittlerweile gleichwohl eine Freundschaft geworden. Auch in Zukunft möchten wir als Ystad Gymnasium den Austausch nach Ostthüringen weiter aufrechterhalten“, betont er. Damit zeigt das Erasmus+-Programm einmal mehr, wie internationale Mobilität im Handwerk nicht nur Auszubildende, sondern auch Ausbilder nachhaltig verbindet.
Titelbild: Azubi Elijah Bosold (v.li.) und Werkstattleiter Markus Gentsch von der Raiffeisen Technik Mitte GmbH aus Gera gaben dem schwedischen Berufsschullehrer Berth Hansson vom Ystad Gymnasium einen Einblick in die Werkstatt und waren für zwei Wochen die Praktikumspaten für Auslandspraktikant Caspian Henriksson.