HWK für Ostthüringen

Steinmetzbetrieb Thomas Haase ist „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ Lebenswerk mit Vorbildcharakter

Wo andere nur einen Stein sehen, entstehen in den Händen von Thomas Haase Grabmale, Kunstwerke oder restaurierte Bauteile mit Geschichte. Seit mehr als 35 Jahren prägt der Steinmetz- und Steinbildhauermeister mit seinem Betrieb das Handwerk im Saale-Holzland-Kreis. Für sein langjähriges und außergewöhnliches Engagement in der beruflichen Ausbildung wurde der Eisenberger nun als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte durch die Handwerkskammer für Ostthüringen. Katja König, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer und Manuela Vogt, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Jena/Saale-Holzland-Kreis überreichten die Auszeichnung im Beisein von Mitarbeitern und Auszubildenden. „Das ist mir eine Ehre“, sagte Thomas Haase sichtlich bewegt. Mit der Auszeichnung habe er nicht gerechnet. „Das freut mich wirklich sehr. Vielen Dank in die Runde.“ Die Anerkennung sei für ihn eine große Überraschung und zugleich eine Bestätigung seines langjährigen Engagements.

Vom Meisterbrief in die Selbstständigkeit

Gegründet wurde der Betrieb am 1. Juli 1990, nur wenige Tage nachdem Thomas Haase am 20. Juni desselben Jahres erfolgreich seine Meisterprüfung abgelegt hatte. Seitdem führt er das Unternehmen in Eisenberg und beschreibt es selbst als sein „Lebenswerk“. Heute beschäftigt der Betrieb vier Mitarbeiter sowie einen Auszubildenden. Das Leistungsspektrum reicht von Grabmalkunst und Bildhauerarbeiten über Restaurierungsarbeiten in der Denkmalpflege bis hin zu Natursteinarbeiten im Innen- und Außenbereich. Besonders die Restaurierung historischer Bauwerke liegt Thomas Haase am Herzen. Zu seinen prägendsten beruflichen Erlebnissen zählt die Mitwirkung an der Restaurierung der Eisenberger Schlosskirche. „Kurz danach wurde dort meine Tochter getauft“, erinnert er sich.

Ausbildung mit Verantwortung

Seit 1997 bildet Thomas Haase regelmäßig im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk aus. Bis heute haben sechs junge Menschen ihre Ausbildung in seinem Betrieb erfolgreich abgeschlossen. Zwei von ihnen arbeiten inzwischen als Gesellen weiterhin im Unternehmen. Aktuell befindet sich Milan Lopez Tapia in der Ausbildung. Bemerkenswert: Bis heute hat kein Auszubildender seine Lehre vorzeitig abgebrochen. Für Thomas Haase ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines engen Miteinanders. „Jeder Azubi und jeder Mitarbeiter hat mal individuelle Herausforderungen. Dann führt man gemeinsam Gespräche.“ Seine persönliche Devise: „Lieber mal ein Gespräch und noch ein Gespräch und noch eins. Ich gehe ja auch eine Verpflichtung ein“, beschreibt er sein Ausbildungsverständnis. Regelmäßig entsendet er seine Auszubildenden zur überbetrieblichen Ausbildung und hält engen Kontakt zu den Lehrkräften der Berufsschule in Demitz-Thumitz. So möchte er sicherstellen, dass Theorie und Praxis bestmöglich ineinandergreifen.

HWK für Ostthüringen
Azubi Milan Lopez Tapia zeigt, was er aus Freiburger Kalkstein gefertigt hat. Dabei beschreibt er, wie er vorgegangen ist, zeigt Mängel und schildert Herausforderungen im Herstellungsprozess. 

Der Weg beginnt mit einem Praktikum

Wie erfolgreich dieser Ansatz ist, zeigt der Werdegang seines aktuellen Auszubildenden Milan Lopez Tapia. Auf einer Berufsmesse wurde er zunächst auf die Praktikumsprämie der Handwerkskammer aufmerksam. Nach einem Praktikum im Steinmetzbetrieb war sein Entschluss gefasst. „Auf jeden Fall“, antwortete der angehende Steinmetz begeistert auf die Frage von Katja König, ob er sich im Betrieb wohlfühle.

Praktika sind für Thomas Haase ein wichtiger Bestandteil der Nachwuchsgewinnung. Bevor ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen wird, lernen sich beide Seiten in der Regel zwei bis drei Wochen lang kennen. „Dann kann man schon sehen, ob er ein Händchen dafür hat oder nicht“, sagt der Steinmetzmeister. Dafür dürfen Praktikanten oftmals bereits eigene Werkstücke gestalten.

Auch über seine gesetzlichen Pflichten hinaus unterstützt Haase seinen Auszubildenden. Da die Busverbindung von dessen Wohnort weggefallen ist, stellt er ihm kostenlos Wohnraum zur Verfügung. Zudem übernimmt der Betrieb die Kosten für Fahrten und Unterbringung während der Berufsschulzeiten.

Einsatz für das gesamte Handwerk

Der Einsatz von Thomas Haase endet nicht am eigenen Werkstatttor. Seit 2015 ist er Obermeister der Innung des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks Ostthüringen. Als Schaumeister unterstützt er regelmäßig Gesellenprüfungen und stellt Auszubildenden anderer Betriebe seine Werkstatt zur Verfügung, damit sie dort ihre Gesellenstücke anfertigen können.

Darüber hinaus engagiert er sich intensiv für die Nachwuchsgewinnung auf Ausbildungs- und Berufsmessen. Gerade in einem seltenen Handwerk, das in Ostthüringen lediglich 55 Betriebe zählt und von denen aktuell nur sieben ausbilden, ist dieses Engagement von besonderer Bedeutung.

Die Auszeichnung als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ würdigt daher weit mehr als eine gute Ausbildungsquote. Sie zeichnet einen Handwerksmeister aus, der Verantwortung übernimmt, junge Menschen begleitet und sich mit großer Leidenschaft für die Zukunft seines Berufsstandes einsetzt.

 

Titelbild: Steinmetz- und Steinbildhauermeister Thomas Haase (2. v. re.) nimmt die Auszeichnung „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ aus den Händen von Katja König (1. v. re.), stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer für Ostthüringen entgegen. Mit dabei waren auch Manuela Voigt (v. li.) von der Kreishandwerkerschaft Jena/Saale-Holzland-Kreis, Auszubildender Milan Lopez Tapia und ein Mitarbeiter des Unternehmens.