HWK für Ostthüringen

Neuer Lehrgang zur „Fachkraft im Lehmbau“ gestartet Klimafreundliches Bauhandwerk der Zukunft

Der Lehmbau erlebt angesichts steigender Anforderungen an nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen eine bemerkenswerte Renaissance. Um dem wachsenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften gerecht zu werden, startete erneut die anerkannte Fortbildung „Fachkraft im Lehmbau“ im Denkmalhof in Gernewitz.

18 Männer und zwei Frauen aus ganz Deutschland stellen sich jetzt dem Lehrgang und wurden von  Heiko Aumann, Geschäftsführer der Denkmalhof Gernewitz gGmbH, und gleichzeitig einer der Dozenten, begrüßt. Die Teilnehmer kommen neben Thüringen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Hessen, Niedersachen und Nordrhein-Westfalen. Unter ihnen sind auch vier Zimmerermeister, die erst im vergangenen Jahr in der Dachdeckerschule Lehesten ihren Meisterabschluss erlangt haben.  Sie alle begannen mit einem gemeinsamen Theoriekurs in den letzten beiden Februarwochen. Ihm schließen sich zwei Praxisblöcke an: Der erste im März mit elf Teilnehmern und der zweite im April mit neun Teilnehmern. Den Abschluss findet die Fortbildung mit einer Prüfung vor der Handwerkskammer.

Qualifikation mit Zukunft

Lehm gilt als einer der ältesten Baustoffe der Menschheit – und gleichzeitig als einer der modernsten. Als ökologischer, vollständig recycelbarer und regional verfügbarer Baustoff trägt Lehm wesentlich zur Reduktion grauer Energie im Gebäudesektor bei. Seine Fähigkeit, Wärme zu speichern und Feuchtigkeit zu regulieren, macht ihn zu einem idealen Material für ein gesundes Raumklima. In Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Anforderungen an nachhaltige Baustandards gewinnt der Lehmbau daher zunehmend an Bedeutung.

Gleichzeitig steigt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die mit modernen Lehmbautechniken ebenso vertraut sind wie mit historischen Bauweisen. Genau hier setzt die Fortbildung „Fachkraft im Lehmbau“ an.

Lehrgang mit starkem Fachbezug

Der modular aufgebaute Lehrgang vermittelt umfassende Kenntnisse zu Baustofflehre, den Grundlagen des Lehmbaus, historischen und modernen Lehmbauweisen, Lehmputzen, praxisrelevanten Techniken sowie rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Themen.

Nach ihrem Abschluss sind die Absolventinnen und Absolventen befähigt, Lehmbauprojekte fachgerecht zu planen, zu beurteilen und auszuführen. Zudem kann nach bestandener Prüfung der Eintrag in die Handwerksrolle mit dem Spezialgebiet Lehmbau und einer Ausnahmebewilligung beantragt werden – ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Betriebe, die sich am Markt positionieren wollen.

Höhere berufliche Chancen

Mit der Qualifikation „Fachkraft im Lehmbau“ erschließen sich den Teilnehmern und damit auch den Handwerksbetrieben neue Marktsegmente im Bereich ökologischer und energieeffizienter Bauweisen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage von Bauherren, Planern und öffentlichen Auftraggebern nach nachhaltigen Lösungen – ein Trend, den der Lehmbau aufgrund seiner hervorragenden Ökobilanz ideal bedienen kann.

Der Lehrgang bietet damit sowohl für etablierte Fachkräfte als auch für Quereinsteiger eine zukunftsweisende Weiterbildung, die handwerkliches Können mit ökologischer Verantwortung verbindet.



Titelbild: Die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des neuen Lehrgangs zur „Fachkraft im Lehmbau“, gemeinsam mit Heiko Aumann (re.), Geschäftsführer der Denkmalhof Gernewitz gGmbH, bei der Kurseröffnung.