Intensiver Austausch mit Geraer HandwerksunternehmenHandwerkertalk ebnet Weg für konkrete Lösungen
Zum vierten Handwerkertalk in Ostthüringen hatten die Handwerkskammer für Ostthüringen gemeinsam mit der Sparkasse Gera-Greiz diesmal Handwerkerinnen und Handwerker aus Gera und dem Umland eingeladen.
Wo drückt bei den Handwerksunternehmen der Schuh? Welche Lösungen gibt es und wie kann man gemeinsam die Stadt voranbringen? Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt. Die überaus offene, sachliche und intensive Diskussion zeigte, dass die Handwerkerinnen und Handwerker gemeinsam mit der Handwerkskammer, der Stadt Gera und der Sparkasse als Finanzdienstleister nach Lösungen suchen wollten. Dabei standen der Präsident und der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Wolfgang Jacob und Karsten Sachse, Geras Oberbürgermeister Kurt Dannenberg und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Gera-Greiz, Dr. Hendrik Ziegenbein, Rede und Antwort.
Kammer, Stadt und Sparkasse als starkes Trio
Den Auftakt des Talks unter dem Titel „Damit Sie wissen, was wir tun.“, machten die genannten Akteure, die in kurzen Beiträgen die Struktur, Aufgaben und Angebote von Kammer, Stadt und Sparkasse vorstellten.
Im Fokus stand jedoch die Diskussion mit den Unternehmern. Den Auftakt machte Schlossermeister Bernd Schweyer, der seinen Metallbaubetrieb Anfang des Jahres an seinen Sohn Frank übergab und von den Schwierigkeiten bei der Kontenübertragung schilderte und wünschte sich hier vereinfachte und pragmatische Lösungen gerade für Einzelunternehmer. Der Sparkassenchef nahm die Hinweise auf; verwies jedoch darauf, dass aufgrund des Steuerrechts nicht alles in einfachen und kurzen Wegen gelöst werden kann.
Vergabeverfahren in Gera war Schwerpunktthema
Besonders im Fokus der Diskussion standen Fragen rund um Ausschreibungen und die Auftragsvergabe durch die Stadt. So bemängelte Silke Krug-Pawelka von der Küchen Profi & Tischlerei Krug GmbH das Vergabeverfahren in Gera. „Ich würde schon gerne einmal wissen, wie viele Geraer Firmen an Aufträgen der Stadt beteiligt werden“, gab sie dem Oberbürgermeister mit auf den Weg und wünscht sich eine stärkere Berücksichtigung der Geraer Handwerksunternehmen, da dann auch die entsprechenden Steuern in der Stadt bleiben. Eine Idee ihrerseits wäre es, die Lose in den Ausschreibungen gewerbespezifischer anzulegen als auch die Losgröße anzupassen. „So könnten auch viele kleinere Handwerksbetriebe eine Chance haben, den Zuschlag zu bekommen“, erklärt sie.
Wirtschaftlichkeit vor billigste Angebote stellen
Bauunternehmer Carlos Schmeisser kritisiert zudem oftmals stattfindende Änderungen während der Ausschreibung. „Das sorgt für immensen Zeitaufwand – gerade für kleine Betriebe.“ Zudem wünscht sich Fliesenleger Christian Sattler, dass nicht immer auf das billigste Angebot gesetzt wird, sondern andere Faktoren mit einfließen müssen. „Wer billig vergibt, zahlt am Ende drauf. Deshalb ganz einfach mal auch mit gesundem Menschenverstand an die Vergabe herangehen“, fordert er.
Oberbürgermeister mit ersten konkreten Lösungsvorschlägen
Oberbürgermeister Kurt Dannenberg versicherte, die Hinweise aufzunehmen und unterbreitete erste Vorschläge, die zeitnah in der Stadt umgesetzt werden sollen. „Wir wollen beispielsweise einen 14-tägigen Newsletter entwickeln, in dem stets alle aktuellen Ausschreibungen der Stadt als auch Straßensperrungen und Veranstaltungen aufgelistet werden“, erklärt er. Das wäre ein erster Schritt, damit die Information über aktuelle Ausschreibungen auf kurzem Weg bei den Unternehmen in der Stadt ankommen. Zudem werde man überlegen, inwieweit Zusatzpunkte in die Vergabe einfließen können, die beispielsweise für Handwerkerinnen und Handwerker vor Ort von Vorteil sind.
Gerade da das Thema Ausschreibung und Auftragsvergabe ein sehr komplexes und großes Thema ist, regte der Oberbürgermeister eine öffentliche Veranstaltung an, in der Unternehmer als auch Mitarbeiter der Vergabestelle zusammenkommen, um gemeinsam nach bestmöglichen Wegen zu suchen und gegenseitig Hinweise aufzunehmen.
Digitalisierung als Schritt für bessere Effizienz
Die Digitalisierung der Verwaltung brachte Dr. Thomas Fischer von der AIDA GmbH ins Gespräch. „Es gibt durchaus Möglichkeiten bei Ausschreibungen künstliche Intelligenz einzusetzen, um den Arbeitsaufwand in der Verwaltung zu minimieren“, gab er als Hinweis. Oberbürgermeister Kurt Dannenberg berichtet, dass die Stadt hier bereits im Digitalisierungsprozess mit verschiedenen Test- und Pilotprojekten ist, dies aber nicht von heute auf morgen umzusetzen sei.
Freiwilliges Handwerkerjahr eine künftige Option
Das Thema der Nachwuchsgewinnung brachte Kai-Uwe Kühn von der gleichnamigen Klempnerei aus Gera ins Gespräch. Er hat von einem freiwilligen Handwerksjahr analog dem freiwilligen sozialen Jahr in anderen Regionen Deutschlands gehört und würde sich dieses auch in Thüringen wünschen, um eventuell auch mehr Gymnasiasten für das Handwerk zu begeistern. Katja König, stellv. Hauptgeschäftsführerin und Referatsleiterin Berufsausbildung in der Handwerkskammer erläuterte, dass es hier bereits Überlegungen auf Bundesebene gibt. „Denkbar ist beispielsweise, dass bei einer möglichen Wehrpflicht in Deutschland ein Handwerkerjahr als Wehrersatzdienst anerkannt wird.“ Man werde hier am Ball bleiben.
Handwerkerparkausweis: Suche nach günstigerer Lösung
Aber auch das Thema der Ausnahmegenehmigung für das Parken als Handwerker (Handwerkerparkausweis) in der Stadt Gera kam zur Sprache. Martin Riedel, Inhaber des Handwerksunternehmens „Riedel – Ihr Meister“ in Gera bemängelte hier die hohen Kosten für diese Ausnahmegenehmigung. „Für unseren Fuhrpark ist dies in Gera einfach zu teuer. Da kommen wir deutlich billiger, wenn es ab und zu ein Knöllchen gibt“, schätzt er ein.
Der Oberbürgermeister wird auch dieses Thema mit in seine Verwaltung nehmen, um hier eventuell eine deutliche Kostensenkung zu erreichen oder aber andere Möglichkeiten zu eruieren, denn schließlich sind die Handwerker nicht zum Spaß in der Stadt unterwegs.
Dieser Ausschnitt der Themen zeigt, dass der Handwerkertalk als Format großen Anklang gefunden hat. „Gerade diese Form des Austausches ist es, die alle Beteiligten an einen Tisch bringt, Themen offen angesprochen und diskutiert werden sowie auch erste Lösungsansätze liefert. Deshalb wird die Handwerkskammer solche Treffen auch in den kommenden Monaten und Jahren verstärkt anbieten.
Titelbild: Von links: Zum Handwerkertalk in Gera kamen Karsten Sachse, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Kammerpräsident Wolfgang Jacob, der Geraer Oberbürgermeister Kurt Dannenberg und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Gera-Greiz, Dr. Hendrik Ziegenbein unter anderem mit Fliesenleger Christian Sattler, Silke Krug-Pawelka von der Küchen Profi & Tischlerei Krug GmbH und Jens Ziegengeist von der Sanitär- und Heizungsfirma Rudolf Ziegengeist ins Gespräch.