Vollversammlung der Handwerkskammer tagte in Gera Entscheidungen mit Zukunftsrelevanz
Zur ersten Zusammenkunft der neuen Vollversammlung der Handwerkskammer für Ostthüringen nach ihrer konstituierenden Sitzung standen wiederum richtungsweisende Entscheidungen auf der Tagesordnung.
Vorangestellt wurde ein besonderer Anlass. Zwei neubestellte Sachverständige wurden durch den Präsidenten der Handwerkskammer, Wolfgang Jacob, öffentlich vereidigt. Es handelt sich um Stefan Hedwig aus Kaulsdorf als künftiger öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk sowie um Carsten Otto aus Mehna im Estrichlegerhandwerk.
Mit Sachverstand und Neutralität: Stefan Hedwig und Carsten Otto
Stefan Hedwig ist seit 1999 selbstständig und führt sein Handwerksunternehmen mit mehreren Angestellten. Gleichzeitig ist er auch Mitglied der Innung des Bauhandwerks Saalfeld-Pößneck-Rudolstadt. Carsten Otto ist bereits seit 1991 selbstständiger Handwerker im Maurerhandwerk und leitet ein Team aus mehreren Mitarbeitern. Beide haben im Rahmen des Bestellungsverfahrens nachgewiesen, dass sie über die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten eines Sachverständigen verfügen. Sie stehen in ihrer Funktion künftig sowohl Gerichten mit ihren Gutachten unter handwerklich technischen Gesichtspunkten zur Seite. Aber auch für Privatpersonen können sie von nun an Gutachten erstellen, wobei die Neutralität stets im Vordergrund steht. Mit den beiden „Neuen“ verfügt das Ostthüringer Handwerk über insgesamt 33 Sachverständige aus verschiedenen Gewerken.
Nach dem feierlichen Moment kam Wolfgang Jacob in seinem Bericht vor der Vollversammlung zur Arbeit der Handwerkskammer auf die Ergebnisse der zurückliegenden Monate und Herausforderungen der Zukunft zu sprechen.
Angesichts der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage richtet die Handwerkskammer dabei ihren Fokus konsequent auf vier zentrale Handlungsfelder: Entlastung der Betriebe, Fachkräftesicherung, die Modernisierung der Bildungsinfrastruktur sowie die Sicherung von Unternehmensnachfolgen.
Entlastungen bei Kosten und Bürokratie endlich umsetzen
„Die Kammer hat sich in den vergangenen Monaten intensiv für die Interessen ihrer Mitgliedsbetriebe stark gemacht“, so der Kammerpräsident. Ein konkretes Beispiel sei der erfolgreiche Einsatz gegen die geplante Entlastungsprämie, die Betriebe zusätzlich belastet hätte. „Schließlich ist die entscheidende Frage nicht gewesen, ob die Betriebe eine solche Prämie zahlen wollen, sondern ob sie diese überhaupt zahlen können“, so Wolfgang Jacob.
Parallel treibt die Kammer den Dialog mit Politik und Verwaltung voran – etwa über regionale Formate wie die „Handwerkertalks“. Ziel ist es, kurzfristig spürbare Entlastungen zu erreichen, insbesondere durch weniger Bürokratie. Die Kammer versteht sich dabei als Sprachrohr der Betriebe und bringt deren Anliegen kontinuierlich auf Landes- und Bundesebene ein.
Positive Signale in Sachen Aus- und Weiterbildung
Mit einer Vielzahl an Initiativen arbeitet die Handwerkskammer zudem aktiv daran, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Dazu zählen der Ausbau der Berufsorientierung, Messeauftritte und digitale Kampagnen. Als besonders erfolgreich hat sich die Praktikumsprämie erwiesen, die ebenfalls auf die Initiative der Thüringer Handwerkskammern seitens des Freistaats eingerichtet wurde und die bereits hunderte Ferienpraktika ermöglicht hat – mit einer Übertrittsquote von rund 30 Prozent in eine Ausbildung. „Das zeigt, dass die Praktikumsprämie nachhaltig und mehr als lohnenswert ist“ freut sich der Kammerpräsident.
Auch in der Weiterbildung setzt die Kammer Akzente: Neue Vollzeitmeisterkurse werden sehr gut von Interessenten angenommen. Zudem werden derzeit neue Gewerke in der Meisterfortbildung etabliert. Ein besonders positives Beispiel ist hier das Land- und Baumaschinenmechatroniker-Handwerk. Seit Februar dieses Jahres ist die Bildungsstätte der Handwerkskammer in Gera-Aga durch den LandBauTechnik Bundesverband e.V. erfolgreich auditiert und wird als anerkannte Schulungsstätte geführt. Damit kann Anfang Oktober auch der erste Vollzeitmeisterkurs für Land- und Baumaschinenmechatroniker angeboten werden.
Neuausrichtung mit Millionen-Investitionen
Ein wichtiger Fortschritt gelang bei der Weiterentwicklung des Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) mit seinen drei Bildungsstätten in Gera, Rudolstadt und Zeulenroda. Die Kammer hat Förderanzeigen im Umfang von rund 80 Millionen Euro auf den Weg gebracht und erste Zusagen für Investitionen in die technische Ausstattung erreicht. Mit der Erarbeitung eines modernen Raum- und Werkstattkonzepts treibt die Kammer die zukunftsfähige Ausrichtung ihrer Bildungsstätten konsequent voran.
Unternehmensnachfolge prägt kommende Jahrzehnte
Angesichts tausender bevorstehender Betriebsübergaben in den kommenden zehn Jahren im Ostthüringer Handwerk besteht dringender Handlungsbedarf. „Wir als Handwerkskammer unterstützen unsere Mitgliedsbetriebe bei der Nachfolgeplanung und setzen uns politisch für bessere Rahmenbedingungen ein“, versichert Kammerpräsident Wolfgang Jacob. Ein wichtiger Erfolg sei beispielsweise die Verdopplung des Meisterbonus von 1.000 auf 2.000 Euro und der Meistergründungsprämie von 5.000 auf 10.000 Euro. Damit werden Anreize geschaffen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und bestehende Betriebe zu übernehmen.
„Trotz einer derzeit schwierigen Situation agieren wir als Handwerkskammer aktiv, vernetzt und lösungsorientiert – mit dem klaren Ziel, unsere Betriebe zu stabilisieren und zukunftsfähig aufzustellen“, so Wolfgang Jacob zum Abschluss seines Berichtes.
Im Anschluss an den Bericht des Kammerpräsidenten wurden zahlreiche Beschlüsse gefasst – unter anderem zu Finanzfragen, zu Maßnahmen im Rahmen der Ausbildung sowie zur Berufung von Meisterprüfungsausschüssen.
Beschluss zur Vermarktung von drei Objekten
Abschließend stand auch das Thema des Umgangs mit dem Gebäudebestand der Handwerkskammer auf der Tagesordnung. Hier fassten die Vollversammlungsmitglieder den Beschluss, dass die die Handwerkskammer ermächtigt wird, in die Vermarktung von drei im Besitz der Handwerkskammer befindlichen Gebäuden zu gehen. Dabei handelt es sich um das „Haus des Handwerks“ am Puschkinplatz in Gera mit knapp 1.400 m2 Gewerbefläche sowie zwei viergeschossige Gebäude in Plattenbauweise neben der Bildungsstätte Zeulenroda mit einer Gesamtfläche von rund 4.800 m2, die derzeit teilweise als Büros und als Internat genutzt werden.
Titelbild: 27 der insgesamt 36 Mitglieder der neu gewählten Vollversammlung, die sich jetzt erstmalig nach ihrer konstituierenden Sitzung in der Bildungsstätte der Handwerkskammer in der Bildungsstätte in Geras-Aga trafen.