HWK für Ostthüringen

Dachdecker legen Gesellenprüfung ab Dachdecker-Nachwuchs stellt sich der Zukunft

Hoch über den Dächern arbeiten, Wind und Wetter trotzen und dabei jeden Tag sichtbare Ergebnisse schaffen: Kaum ein Handwerksberuf steht so sehr für die Nähe zur Zukunft wie das Dachdeckerhandwerk. Dass dieser Beruf zugleich traditionelles Handwerk, moderne Technik und vielfältige Karrierewege vereint, zeigte sich einmal mehr bei der diesjährigen Gesellenprüfung in der Dachdeckerschule Lehesten.

Unter den 51 Prüfungsteilnehmern aus ganz Thüringen befand sich auch Alexandra Bode aus Erfurt. Die junge Dachdeckerin ist nicht nur frischgebackene Gesellin, sondern zugleich Gesicht der bundesweiten Imagekampagne des Handwerks „Komm doch, Zukunft!“ sowie der Thüringer Handwerkskampagne „Das ist Thüringen“. Stellvertretend für viele junge Menschen im Handwerk macht sie deutlich, wie vielfältig und zukunftsorientiert der Beruf heute ist.

Drei Tage voller Herausforderungen

Die praktische Gesellenprüfung erstreckte sich über drei Tage und verlangte den Prüflingen ihr gesamtes fachliches Können ab. Im Prüfungsbereich Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik waren insgesamt drei Arbeitsaufgaben zu bewältigen.

Die Schwerpunktaufgabe, für die sechs Stunden zur Verfügung standen, orientierte sich am jeweiligen Ausbildungsschwerpunkt der Prüflinge. Parallel dazu fand das Fachgespräch statt. Ergänzt wurde die Prüfung durch zwei weitere Aufgaben mit jeweils 3,75 Stunden Bearbeitungszeit.

Gefordert waren Arbeiten aus den Bereichen Dachdeckungstechnik, Außenwandbekleidungstechnik und Abdichtungstechnik. So mussten die Teilnehmer unter anderem eine Biberschwanzdoppeldeckung herstellen, eine Außenwandbekleidung mit Schiefer ausführen sowie Innen- und Außenecken fachgerecht abdichten.

Mit Theorie zum Prüfungserfolg

Auch für Alexandra Bode war die Gesellenprüfung der Höhepunkt ihrer Ausbildung. Besonders wohl fühlte sie sich beim Schieferdecken. „Vom Handling her fühlte ich mich beim Schiefer am wohlsten, wo ich auch mein Geschwindigkeitsdefizit, das ich in der Zwischenprüfung schmerzlich erkennen musste, aufholen konnte“, berichtet sie.

Die größte Herausforderung stellte für sie dagegen der Bereich Abdichtungstechnik dar. „Den Umgang mit Bitumen habe ich leider sehr wenig in der Praxis üben können, weshalb ich da etwas unsicherer war.“ Zur Vorbereitung setzte die Erfurterin vor allem auf ein solides theoretisches Fundament. „Ich habe bei jeder Gelegenheit meine Lehrer und Ausbilder mit Fragen gelöchert und immer wieder in meine Unterlagen aus den Lehrgängen in Lehesten geschaut. 

HWK für Ostthüringen

Je besser die Theorie saß, desto leichter kam ich in den Arbeitsfluss“, erzählt sie. Kurz vor der Prüfung wiederholte sie zudem gemeinsam mit ihrem Ausbildungsbetrieb konkrete Arbeitsschritte am Modell. 
Einen besonderen Tipp hat sie für künftige Prüflinge ebenfalls parat: „Ohrstöpsel haben mir extrem geholfen, den Lärm und die Unruhe in den Hallen auszublenden und den Fokus auf meine Arbeit zu richten.“

Beruf mit Weitblick

Was Alexandra Bode am Dachdeckerhandwerk besonders begeistert, ist die Vielseitigkeit des Berufs. „Ganz klar natürlich der Arbeitsplatz. Der ist unschlagbar. Aber auch die Individualität der Gebäude und Eindeckungen fasziniert mich immer wieder aufs Neue.“

Darüber hinaus habe sie während ihrer Ausbildung viel über Materialien, Gebäude und die Baubranche gelernt. Wissen, das weit über den Berufsalltag hinaus nützlich sei.

Mit ihren Aussagen steht sie stellvertretend für viele junge Dachdeckerinnen und Dachdecker, die sich bewusst für ein Handwerk entschieden haben, das abwechslungsreiche Aufgaben, gute Entwicklungsmöglichkeiten und einen hohen Praxisbezug bietet.

Starke Leistungen des Thüringer Nachwuchses

Die diesjährige Gesellenprüfung zeigte erneut das hohe Niveau des Thüringer Dachdecker-Nachwuchses. 33 Teilnehmer konnten ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Vier Prüflinge qualifizierten sich aufgrund ihrer herausragenden Leistungen für den Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks und haben damit die Chance, sich für die Deutschen Meisterschaften im Handwerk zu empfehlen.

Für Alexandra Bode beginnt nach der bestandenen Prüfung nun ein neuer Lebensabschnitt. Künftig möchte sie vor allem im Bereich der Seilzugangs- und Positionierungstechnik arbeiten. Auch die Spenglerei und Tätigkeiten an Windenergieanlagen reizen sie. Langfristig möchte sie offen für neue Erfahrungen bleiben.

„Mein Ziel ist, die Neugier nicht zu verlieren“, sagt sie. Ein Satz, der nicht nur ihre eigene Zukunft beschreibt, sondern auch den Geist einer neuen Generation von Handwerkerinnen und Handwerkern, die das Dachdeckerhandwerk in Thüringen prägen werden.

Titelbild: Die 51 Dachdecker-Gesellen vor ihrer Gesellenprüfung. Mit dabei auch Dachdeckerin Alexandra Bode.