Gesellen und Ausbildungsbetriebe besonders ausgezeichnet109 neue Fachkräfte für das Kfz-Handwerk
Mit der feierlichen Gesellenfreisprechung der Kfz-Innung Ostthüringen in der Rieger Showbühne in Gera, wurden die 109 erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen der Kfz-Mechatroniker-Ausbildung offiziell in den Gesellenstand erhoben. 64 von ihnen schlossen ihre Ausbildung in der Fachrichtung Personenkraftwagentechnik ab, 23 in Nutzfahrzeugtechnik, zwölf in der Karosserietechnik sowie zehn in der System- und Hochvolttechnik. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Thomas Roth, Obermeister der Kfz-Innung Ostthüringen, sowie Dietmar Hoffmann, Geschäftsführer des Kfz-Landesverbandes Thüringen. Zur Freisprechung waren mehr als 400 Gäste erschienen – darunter Familienangehörige, Ausbilder, Lehrkräfte und Vertreter aus Handwerk und Wirtschaft.
Jahrhundertealte Tradition
In seiner Ansprache erinnerte Dietmar Hoffmann an die historische Bedeutung des Anlasses: „Der Brauch der Freisprechung ist älter als jedes Auto, das auf dem Parkplatz des Möbelhauses steht.“ Die Tradition, Gesellen von ihren Pflichten als Auszubildende freizusprechen, gehe auf die Zünfte im Mittelalter zurück und markiere bis heute den Übergang in ein selbstständiges berufliches Handeln.
Handwerk im Wandel
Zugleich schlug Hoffmann den Bogen zur Gegenwart und Zukunft des Kfz-Handwerks. Die Branche befinde sich in einem tiefgreifenden Wandel. Elektromobilität und Wasserstoff spielten eine zunehmend bedeutende Rolle, und moderne Fahrzeuge seien heute hochkomplexe Systeme: „So manche Fahrzeuge wissen mehr als der eigene beste Freund.“ Mobilität werde jedoch auch künftig eine zentrale Rolle im Leben der Menschen spielen – und damit auch das Kfz-Handwerk. Auch Obermeister Thomas Roth unterstrich den Wandel in seiner Rede: „Ihr habt euch Wissen und Können erarbeitet, das heute wichtiger denn je ist. Moderne Fahrzeuge werden immer komplexer und ihr seid die Fachleute, die dafür sorgen, dass alles läuft. […] Bleibt neugierig, bildet euch weiter und habt den Mut, euren eigenen Weg zu gehen.“
Größte Gesellenprüfung
Der erfolgreichen Freisprechung in der Rieger Showbühne in Gera gingen im Januar fünf intensive Prüfungstage voraus. In der Bildungsstätte Gera der Handwerkskammer für Ostthüringen absolvierten die angehenden Kfz-Mechatroniker im Januar 2026 ihre praktische Gesellenprüfung und stellten damit zum Abschluss ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildungszeit ihr fachliches Können unter Beweis. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl handelte es sich dabei um die größte Gesellenprüfung in Ostthüringen.
Begleitet und abgenommen wurden die Prüfungen von insgesamt 30 ehrenamtlichen Prüfern. Nahezu eine Woche lang bereiteten sie die einzelnen Prüfungsstationen vor, führten die Prüfungen durch und bewerteten die Leistungen fair, objektiv und fachgerecht.
Bestleistungen geehrt
Besonders erfreulich fielen die Prüfungsergebnisse aus: Mit insgesamt zehn Mal der Note „sehr gut“ erzielten so viele Gesellen wie noch nie ein herausragendes Ergebnis. Ostthüringens bester Kfz-Mechatroniker ist der 19-jährige Elias Meixner aus Weida, welcher sich auf Nutzfahrzeugtechnik spezialisiert hat. „Es ist das erste Mal, dass jemand die Note 1 in der praktischen Prüfung erreicht hat“, berichtete Martin Scheidewig. Die außergewöhnliche Leistung des 19-Jährigen wurde entsprechend gewürdigt. Elias Meixner selbst zeigte sich erleichtert, stolz und zugleich überrascht. Einige Prüflinge hätten die Prüfung nicht bestanden, umso größer sei die Freude über das eigene Ergebnis – auch in seiner Familie. Viel gelernt habe er von seinem Vater, vor allem aber von seinem Großvater. Zunächst schraubte er an Mopeds, später an Autos. Für die Gesellenprüfung in der Fachrichtung Lkw-Technik bereitete er sich intensiv vor – durch Lernen, Üben und den engen Austausch mit seinem Ausbildungsbetrieb, dem MAN Truck & Bus Service in Gera.
Einen erheblichen Anteil an seiner Entwicklung hatte auch sein Hobby: Truck Trial, ein Geschicklichkeits-Motorsport für Allrad-Lkw im extremen Gelände. Gemeinsam mit einem Freund tritt er als „SOS GAZ 66“ an, war unter anderem bei Meisterschaften in Gera-Aga am Start und wurde zuletzt sogar deutscher Vizemeister. Über dieses Hobby fand er auch den Weg zu seinem Ausbildungsbetrieb, „wo ich mich wohlfühle und viel gelernt habe“.
Blick nach vorn
Obwohl Elias Meixner noch einige Monate im Betrieb arbeiten wird, hat er seine nächsten Schritte bereits im Blick. Er plant, sein Fachabitur zu absolvieren und anschließend möglicherweise zu studieren. Sein langfristiges Ziel: TÜV-Ingenieur. Zuvor stehen jedoch noch die Landesausscheide des Praktischen Leistungswettbewerbs der Kfz-Mechatroniker im März an.
Top-Ausbildungsbetriebe geehrt
Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war die Verleihung der Auszeichnung „Top-Ausbildungsbetrieb“ an drei Unternehmen, die sich durch besonders engagierte und erfolgreiche Nachwuchsarbeit hervorgetan haben: die MAN Truck and Bus Deutschland GmbH aus Gera für die Ausbildung von Elias Meixner in der Fachrichtung Lkw-Technik, das Autohaus Porzig aus Gößnitz für die Ausbildung von Henning Becker in der Fachrichtung System- und Hochvolttechnik, sowie die Auto Schwettling GmbH aus Kahla für die Ausbildung von Toni Henkel in der Fachrichtung Pkw-Technik.
Start in eine berufliche Zukunft
Die Gesellenfreisprechung markiert nicht nur den Abschluss eines wichtigen Ausbildungsabschnitts, sondern zugleich den Beginn eines neuen Kapitels. Kontinuierliche Weiterbildung, technologische Innovationen und nachhaltige Mobilitätskonzepte prägen die Zukunft der Kfz-Branche – und die jungen Gesellinnen und Gesellen sind ein zentraler Bestandteil dieser Entwicklung.