Auf der Walz

3 Jahre und ein Tag. Das Reisen von Handwerkern hat eine Tradition, die bis in das 12. Jahrhundert zurück reicht. Es hat jedoch nur im Bauhandwerk überlebt. Die Gesellen reisen je nach Gesellschaft zwei bis drei Jahre durch die Welt, um sich mit Lebensgewohnheiten und Arbeitspraktiken anderer Regionen und Länder vertraut zu machen. Besonders im vereinigten Europa hat diese Tradition eine ganz neue Dimension erhalten.
Die Reisezeit ist eine praktische Lebensschule, während der sich der Geselle grundsätzlich nach den Regeln seiner Zunft zu verhalten hat. Wer wandern will, muss frei, ungebunden, unverheiratet und möglichst unter 30 Jahre alt sein. Bei der Arbeit und auf Reisen muss stets die Kluft getragen werden. Kameradschaftlichkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Hilfsbereitschaft sind eine Selbstverständlichkeit. Reisen dient dem Handwerker nicht zum Anhäufen von Reichtümern, sondern zur handwerklichen Bildung. Es gehört zur Ehrenpflicht eines reisenden Fremden, seinen Lebensunterhalt während der Reise durch Arbeit zu verdienen.

















